Christian Schlag
Auf den Gesamtmarkt setzen

„Wer halbwegs optimistisch für die ökonomische Gesamtentwicklung ist, sollte marktbreit investieren“, sagt Christian Schlag. Im Interview spricht der Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Frankfurt über die Bedeutung der Diversifikation für die Geldanlage und gibt Tipps zu passiven und aktiven Investments.
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Handelsblatt: Welche Bedeutung hat die Diversifikation für die Geldanlage?

Christian Schlag: Die Diversifikation ist das zentrale Kriterium für die Bildung von Portfolios. Bei der Einzelbetrachtung von Anlagen wird oft unterschätzt, dass es Abhängigkeiten an den Märkten (Korrelationen) gibt. So können zum Beispiel zwei idealtypische, perfekt gegenläufige Wertpapiere ein risikoloses Investment konstruieren. Umgekehrt geht, wer auf gleich laufende Anlagen setzt, höhere Risiken ein. Allein durch die Aufteilung des Kapitals auf verschiedene, voneinander wenig abhängende Anlagen schafft man oft schon ein recht vernünftiges Rendite-Risiko-Profil.

Welche Relevanz hat der Portfolio-Theoretiker Harry Markowitz heute?

Markowitz hat mit seiner „portfolio selection“ eine robuste, griffige Theorie zum Thema Risikostreuung geschaffen. Die Zusammenhänge sind relativ eingängig darstellbar, was sie insbesondere aus didaktischer Sicht unverzichtbar macht. Wie alle fundamentalen Ideen, wurde auch diese Theorie auf ihre Alltagstauglichkeit abgeklopft und relativiert. So sind einzelne Wertpapierklassen eben nicht, wie von Markowitz angenommen, stabil untereinander korreliert, und auch Volatilitäten schwanken nun einmal. Gleichwohl stellt die Theorie in Zeiten stabiler Märkte eine gute Approximation der Realität dar, allerdings nicht in Finanzkrisen.

Auf welche Risiken sollten sich Anleger bei der Bildung eines Portfolios konzentrieren?

Für den langfristigen Aufbau eines Vermögens stehen meiner Ansicht nach die systematischen Risiken im Zentrum. Wer halbwegs optimistisch für die ökonomische Gesamtentwicklung ist, sollte marktbreit investieren und sein Kapital auch über verschiedene Märkte hinweg diversifizieren. Damit nimmt man sich natürlich etwas von möglichen Ertragsspitzen einzelner Anlagen. Mit Glück kann jemand natürlich mit Einzelinvestments mehr Rendite erzielen als am Gesamtmarkt. Doch dieser Investor läuft auf der anderen Seite ständig Gefahr, auf Grund fehlender Informationen suboptimale Entscheidungen zu treffen. Letztlich kommt es jedoch auf den persönlichen Geschmack und die Anlageziele an.

Wie viele verschiedene Anlagearten braucht man, um ausreichend diversifiziert zu sein?

Wer neben Aktien und Anleihen Immobilien, Gold und Rohstoffe im Portfolio hat, ist breit aufgestellt. In der Praxis definiert man diesen Mix jedoch schon als Private Wealth Management. Für die Mehrheit der Anleger dürfte ein Depot mit Aktien- und Anleiheanteil ausreichen. In Immobilien investieren viele – zumindest indirekt – ohnehin in Form ihres Eigenheims. Wer dann über Aktienfonds, Zertifikate oder ETFs die wichtigsten Weltregionen abdeckt, legt diversifiziert an.

Raten Sie eher zu aktivem oder passivem Investment?

Für die langfristige Bildung von Vermögen – etwa für das Alter – macht es am meisten Sinn, sich an der Gesamtentwicklung der Ökonomie zu beteiligen. Alternativ müsste er bei seinen Einzelinvestments permanent auf dem Laufenden bleiben. Dazu haben die meisten weder Zeit noch Lust. Darüber hinaus kann man ja durchaus mit einem kleinen „Spielgeld“ Wetten auf hohe Erträge eingehen. Es ist doch aber unrealistisch zu glauben, dass ein Privater mit Profis wie Hedge-Fonds gleich ziehen kann bei der Suche nach ertragsstarken Investments. Selbst die meisten Profis unter den Fondsmanagern schaffen es nicht konsistent, besser als die Börsenindizes abzuschneiden. Da macht man mit einem guten Indexprodukt sicherlich nichts falsch.

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