Der Blick zurück
Alles schon mal da gewesen

Seit wann die Menschen Geld investieren, lässt sich nicht genau sagen. Die meisten Experten sehen als Ursprung jedoch die Entwicklung der Schrift vor rund 4 000 Jahren an. Für Anleger ist der Blick zurück wichtig. Denn die Kenntnis der Geschichte erleichert den Blick nach vorne enorm.

DÜSSELDORF. Das Geschäft ist rasend schnell geworden: Innerhalb von Sekunden können Millionenvermögen in fast jedem Land der Welt investiert werden. Findige Banker entwickeln über Nacht neue Produkte, die innerhalb weniger Stunden am Markt analysiert, verkauft und gehandelt werden. Manch ein Anleger befürchtet dabei, den Überblick zu verlieren. Hilfreich kann da ein Blick in die Vergangenheit sein. Denn die Geschichte der Geldanlage bietet nicht nur die Grundlagen des Investierens. In der Historie verborgen sind auch häufig Lösungshinweise für aktuelle Probleme.

Seit wann die Menschen Geld investieren, lässt sich nicht genau sagen. Die meisten Experten sehen als Ursprung jedoch die Entwicklung der Schrift vor rund 4 000 Jahren an. Zwar haben die Menschen schon vorher gehandelt, erst durch die Schrift ließen sich jedoch nachweisbare Verträge aufsetzen, die notfalls auch über Generationen hinweg galten. Und nicht ganz zufällig sind die aus dem vierten Jahrtausend vor Christi stammenden ältesten Schriftfunde Wirtschaftstexte.

Die ersten Verträge waren dabei einfache Darlehen. „Bis ins Mittelalter spielten vor allem Kredite – auch zur Finanzierung von Kriegen - eine wichtige Rolle“, sagt Gerhard Fouquet, Geschichtsprofessor an der Universität Kiel. Und schon damals seien einige Städte wie Wetzlar oder Mainz sogar so stark überschuldet gewesen, dass sie später zahlungsunfähig geworden seien. Der nächste Schritt waren an Bedingungen geknüpfte Verträge wie beispielsweise Versicherungen. Diese ermöglichten es erstmals, nicht nur zu spekulieren, sondern sich gegen unvorhersehbare Ereignisse abzusichern.

Auch wenn diese einfachen Abmachungen kaum mit den heutigen Fonds, Zertifikaten oder Derivaten und ihren seitenlangen Erklärungen und Bedingungen vergleichbar sind, lohnt sich auch bei der Bewertung neuer Produkte und der Entscheidung über eine Investmentstrategie der Blick zurück. „Moderne Finanzinstrumenten haben häufig eine längere Geschichte als die meisten Menschen denken“, sagt beispielsweise Geert Rouwenhorst, Finanzprofessor an der amerikanischen Elite-Universität Yale.

„Für Anleger ist es enorm wichtig, sich mit der Geschichte der Geldanlage zu beschäftigen, weil man viele Anomalien an den Finanzmärkten nur mit einem längeren zeitlichen Horizont wirklich verstehen kann“, sagt auch Jörg Baten, Professor für Wirtschaftsgeschichte an der Universität Tübingen. Der entscheidende Vorteil sei daher, dass alte Fehler nicht noch einmal begangen werden müssten, ergänzt William Goetzmann, der gemeinsam mit Rouwenhorst das International Center for Finance in Yale leitet.

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