Einmal um die Welt (IV)
Schnäppchenjagd als Urlaubssport

Australien hat an Faszination nichts eingebüßt, ist aber kein billiges Reiseland mehr. Denn der australische Dollar hat sich permanent verteuert. Eine Reise lohnt sich trotzdem - wenn man weiß, worauf man achten muss.
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SYDNEY. Es klappert und klirrt, es scheppert und brutzelt - und dazwischen hört man immer mal wieder das wohlige Schlürfen eines zufriedenen Suppenessers. Es ist kurz nach sieben Uhr abends, und in der "Food Hall" in Sydneys Chinatown herrscht Hochbetrieb. Im Kellergeschoss eines Geschäftshauses - der Eingang liegt versteckt neben einem Souvenirgeschäft mit T-Shirts und Plüschtieren aus China - ist die asiatische Esshalle seit Jahrzehnten eine Institution in Sydney. Sie ist ein Brennglas der Kulturen dieser Stadt, voll von Einwanderern aus China, Korea und Japan.

Für sechs australische Dollar - etwa 3,65 Euro - kann man sich hier satt essen. Etwa an Rindergeschnetzeltem mit Erdnusssoße oder dieser fantastischen, malaysischen Laksa-Curry-Nudelsuppe mit Hühnchen. Die haut sich gerade Karl Hinze rein, ein 62-jähriger Rentner aus dem Ruhrpott. Etwas ungeschickt, aber lernbegierig, wickelt er die Nudeln um die Essstäbchen und führt sie sorgfältig zum Mund. Er muss gut aufpassen, dass er seine Jack-Wolfskin-Jacke - an ihr erkennt man in Australien den deutschen Touristen - nicht bekleckert. "Fantastisch", sagt der weißhaarige ehemalige Banker, "und billig".

Der deutsche Tourist auf dem Plastikstuhl ist ein Symptom für die Preisentwicklung in Australien. Die Jagd nach günstigem Ess- und Unterkunftsgelegenheiten wird selbst für wohlhabende Australienreisende zum Urlaubssport. Obwohl sich der Kontinent einer seit Jahren gleichbleibenden Teuerungsrate von etwa drei Prozent rühmt, sind die Kosten für fast alle Produkte und Dienstleistungen zum Teil dramatisch gestiegen: Australien ist kein Billigreiseland mehr.

Trotzdem ist Australien jeden Dollar wert. Die Landschaften sind atemberaubend, die Kultur der Ureinwohner einzigartig, die Menschen freundlich. Kein Wunder also, dass Australien seit Jahren ein Traumziel der Deutschen ist. Doch die Verwirklichung des Traums ist ein Schritt, mit dem sich viele Deutsche schwer tun. Das hat viele Gründe - einer davon ist der in den letzten Jahren deutlich stärker gewordene australische Dollar. Dem Rohstoffboom ist es zu verdanken, dass der "Aussie" zur Muss-Währung für Anleger und Spekulanten geworden ist (siehe "Vier Fragen an"). Gegenüber dem Euro sieht die Entwicklung zwar weniger dramatisch aus als im Verhältnis zum US-Dollar. Doch der Unterschied zu früheren Jahren ist auch für Besucher aus Europa "krass", wie es Petra König ausdrückt. Die 36-Jährige war vor 18 Jahren als Billigtouristin im Lande. "Damals war es auch wirklich billig", sagt sie. "Wir Rucksackreisenden haben für eine Nacht im Schlafsaal nicht mehr als sechs australische Dollar bezahlt. Heute sind es 20." Zu bezahlen, Geld zu wechseln, das ist in Australien eigentlich kein Problem. Fast überall im Land werden Kreditkarten akzeptiert, wenn auch viele Geschäfte American Express wegen hoher Gebühren ablehnen. Visa und Mastercard sind die am weitesten verbreiteten Karten.

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