Einmal um die Welt
Mittel- und Südamerika: Grenzen des Geldabhebens

Zwar hat sich durch die Stabilität der meisten Volkswirtschaften im Zahlungsverkehr, bei den Preisen und beim Geldtausch vieles gebessert. Dennoch gibt es immer wieder Probleme, auf die viele Lateinamerika-Reisende nicht vorbereitet sind.
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MEXIKO. Mit allem hatte der Verfahrenstechniker Dirk Metzner gerechnet, als er frühmorgens um fünf Uhr nach einem Zwölfstundenflug in Brasilien ankam: die ewige Schlange an der Passkontrolle in São Paulo, das erneute Anstehen vor dem Zoll und sogar die halbstündige Wartezeit auf die Taxis. Vor all diesem war der 43-Jährige vorgewarnt worden. Doch als er mit seiner EC-Karte Geld aus an dem Automaten ziehen wollte, spuckte der nur 100 Real, also rund 40 Euro aus.

Was Metzner nicht wissen konnte: Zwischen 22 Uhr abends und sechs Uhr morgens geben die Bankautomaten in Brasilien nur diese reduzierte Summe aus statt der sonst maximal meist üblichen 1 000 Real, umgerechnet 400 Euro. Aus Sicherheitsgründen: Die Banken wollen vermeiden, dass Cash-Abholer am Abend und in der Nacht attraktive Opfer für Banditen sind. Vor dieser Regelung konnten die Kriminellen mit der Kreditkarte ihrer Entführten innerhalb weniger Stunden gleich doppelt Kasse machen. Sie entführten ihre Opfer in den Abendstunden und konnten so einmal vor und einmal nach Mitternacht den Höchstbetrag abheben.

Metzners Glück: Er konnte die Taxifahrt in die Stadt zum Hotel mit der Kreditkarte am Stand im Flughafen bezahlen. Doch als er dann zum ersten Geschäftstermin mit einem anderen Taxi, die blaue 100-Real-Note zückte, schüttelte der Fahrer den Kopf und zeigte seinen leeren Geldbeutel. Kein Wechselgeld – durchaus üblich morgens zu Beginn der Tagesschicht. Denn Taxifahrer, wie auch Läden, haben oft nicht genügend Kleingeld zur Hand. Metzner musste sich Geld umständlich von seinen Geschäftspartnern leihen. Doch den Hunderter wurde er auch die nächsten Tage nicht los. Für den Cafezinho, die Tageszeitung, das Sandwich im Internet-Cafe und selbst für die vergessene Zahnbürste in der Drogerie – niemand wollte den Hunderter annehmen, alles bezahlte er mit Kreditkarte.

Die Erfahrungen sind typisch für Reisende in Südamerika: Zwar hat sich durch die Stabilität der meisten Volkswirtschaften im Zahlungsverkehr, bei den Preisen und Tausch vieles gebessert – dennoch gibt es immer wieder Probleme, auf die viele Reisende nicht vorbereitet sind.

So etwa in Argentinien: Seit Mitte April spucken die Geldautomaten nur noch maximale Beträge von 300 Peso aus, also umgerechnet noch 60 Euro. Die Kunden können zwar je nach Kartenunternehmen maximal zehn Mal pro Tag Geld ziehen, doch fallen dabei für jede Abhebung Gebühren in Höhe von etwa vier Euro an. Die Pesos aus den Automaten sind damit recht teuer. Die neuen Obergrenzen wurden ohne jegliche Ankündigung in Kraft gesetzt und sind bisher nirgendwo offiziell bekanntgegeben worden. Vermutet wird ein Streit zwischen den lokalen Automatenbetreibern und den Kredit- und EC-Kartenfirmen über die Aufteilung der Gebühren. Doch das ist kaum ein Trost für Reisende.

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