Erneuerbare Energien
Investieren in Sonne, Wind und Wasser

Ein reines Gewissen und eine gute Rendite: Das könnte das Motto der wachsenden Zahl der Investoren in Deutschland sein, die ihr Geld in Erneuerbare Energien (EE) anlegen. Ob Wasserkraft, Windräder oder Solaranlagen – was früher als exotisches Investment galt, erreicht längst traumhafte Wachstumsraten.
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STUTTGART. Allein in Deutschland haben die Anleger bisher 14 Mrd. Euro in ökologisch ausgerichtete Investmentfonds gesteckt. Das schätzt das Marktforschungsinstitut Imug, das die Berücksichtigung von gesellschaftlichen und ökologischen Interessen am Finanzmarkt untersucht. Im Juni führte die deutsche Börse außerdem den Index Öko-Dax ein, dessen zehn Werte allesamt aus dem Bereich Erneuerbare Energien stammen. Würde man die Aktienkurse dieser Titel auf drei Jahre zurückrechnen, hätte der Index seinen Wert seitdem verfünffacht, während sich der Dax in diesem Zeitraum verdoppelt hat.

Wer bereits seit Jahren in Erneuerbare Energien investiert, freut sich über die hohen Kursgewinne – doch potenzielle neue Käufer fühlen sich davon oft eher verunsichert. Ist der Markt bereits überhitzt oder geht da noch etwas? Letzteres trifft zu, sagen die Experten und sprechen von einem langfristigen Megatrend. „Der Solaraktien-Index PPVX zum Beispiel ist seit 2001 um 1 800 Prozent gestiegen. Wenn sich die Anleger vor zwei Jahren davon hätten abschrecken lassen, dass die Wertsteigerung schon damals bei 900 Prozent lag, hätten sie die weiteren starken Kursgewinne verpasst“, rechnet Max Deml vor, der sich als Finanzanalyst und Chefredakteur des Börsenbriefs Öko-Invest bereits seit langem mit der Branche befasst.

Die Befürchtung, dass sich die Euphorie über Erneuerbare Energien verflüchtigen könnte – ähnlich wie das Platzen der Internetblase Ende der 1990er-Jahre – teilt Deml nicht. Er vergleicht die Lage eher mit dem Boom der Ölindustrie vor hundert Jahren. Auch Matt Christensen, Geschäftsführer des Europäischen Sozialinvestment-Forums Eurosif, sagt: „Der Unterschied ist, dass es inzwischen einen großen reellen Bedarf an diesen Produkten gibt. Noch vor einigen Jahren wurde das Wachstum vor allem durch Subventionen aufrechterhalten, aber jetzt ist an deren Stelle eine starke kommerzielle Nachfrage getreten.“

Die wird nicht nur von umweltbewussten Eigenheimbesitzern, sondern auch von den europäischen Regierungen angeheizt. Denn die EU hat beschlossen, dass bis zum Jahr 2020 ein Fünftel der Energie in den Mitgliedstaaten aus erneuerbaren Quellen kommen soll. Derzeit sind es noch sechs Prozent. Die meisten Experten erwarten, dass die Gewinnkurve der EE-Unternehmen in den nächsten Jahren zwar abflacht, aber trotzdem weiter nach oben zeigt.

Allerdings sollten sich interessierte Anleger genau über die Produkte informieren. Denn die Begriffe „Nachhaltigkeit“, „Öko“ oder „Bio“ sind nicht geschützt, und so steigt die Zahl der Investmentfonds mit dieser Aufschrift derzeit fast so schnell wie die Aktienkurse der Energieunternehmen. Daher Vorsicht vor Etikettenschwindel: Bei einigen Fonds und Zertifikaten finden sich auch Aktien von Autoherstellern mit im Portfolio, von Ölkonzernen oder sogar aus der Atomenergie – sofern die im Vergleich zur Konkurrenz verhältnismäßig ökologisch wirtschaften.

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