Finanzplanung
Die Geldprobleme der reichen Erbinnen

Frauen fällt es offenbar schwerer als Männern, mit plötzlichem Reichtum umzugehen. Für viele ist es eine ungewohnte Situation, an die sie sich erst gewöhnen müssen. Nicht selten entsteht dann der Wunsch, das Vermögen nach ökologischen, ethischen und sozialen Gesichtspunkten zu investieren. Was bei der Finanzplanung bedacht werden sollte.
  • 0

KÖLN. Sie kommt 20 Minuten zu spät zur Beratung und entschuldigt sich auf ungewöhnliche Weise: „Der Zug war Schuld“, sagt Rosi Sch. „Hätte ich mir dann vom Bahnhof einfach ein Taxi genommen, wäre ich rechtzeitig hier gewesen. Ich musste aber mit der Straßenbahn fahren, damit ich vor mir selbst nicht als dekadent erscheine. Denn ich habe reich geerbt und damit ein Problem. Bei Ihnen darf ich das erzählen im Unterschied zur Bank. Sie kennen das bestimmt.“

Ich kann sie rasch beruhigen, denn Ambivalenzen im Umgang mit Geld sind bei Frauen – wahrscheinlich durchaus auch bei Männern – in der Tat verbreitet. Vor allem jene, die unerwartet ein sehr großes Vermögen erben und vorher bescheiden gelebt haben, sich zudem als sozial engagiert oder gesellschaftskritisch bezeichnen, müssen sich oft erst mühsam zurechtfinden mit der neuen Identität als reiche Frau. Denn alles einfach schnell verschenken - das gibt es auch –, ist keine adäquate Lösung. Es wirkt wie eine überstürzte Flucht, die später oft bereut wird – denn auch über das Schenken muss gründlich nachgedacht werden. Wir haben es hier vielleicht mit dem letzten noch funktionierenden Tabu in unserer Gesellschaft zu tun, nachdem Sexualität und Tod den Tabucharakter verloren haben: Frauen mit viel Geld sind irgendwie suspekt und müssen sich erklären.

Ganz anders Else W. Sie möchte ihr Vermögen neu sortieren und zeigt mir, was sie hat. Dabei sind auch zwei Ferienhäuser in Italien, das eine liegt am Meer, das andere im Landesinneren mit Blick in hohe Berge. „Ich konnte mich einfach nicht entscheiden, welches schöner ist, da habe ich sie gleich beide gekauft und das auch nie bereut.“ Sie beschreibt die Erbschaft als ein großes Glück, das sie sehr gerne teilt mit Freundinnen und der Familie.

Doch so ganz ungetrübt ist ihre Situation dann auch wieder nicht. Ihr Mann habe da so seine Macken, berichtet sie. „Er kann es einfach nicht verknusen, dass ich so reich bin und er nicht. Und das sie ihn angeblich genötigt haben soll, einen einfachen Ehevertrag zu unterschrieben. Wenn ich sterbe, kann er alles haben, aber wenn er mich verlässt, halt nicht. Dann soll der Zugewinn auf meinem Konto bleiben. Das ist doch wohl nur fair!“, empört sie sich.

Die meisten Frauen, die zur Frauenfinanzberatung kommen, haben das Gröbste bei der Rollenfindung schon hinter sich gebracht. Dennoch dauert es oft noch ein paar Monate oder Jahre, bis sie sich für ein persönlich passendes Anlagekonzept für ihr eigenes Vermögen souverän entscheiden können. Denn die Verantwortung dafür liegt ganz allein bei ihnen. Dies zu verinnerlichen, kostet Zeit und Energie.

Seite 1:

Die Geldprobleme der reichen Erbinnen

Seite 2:

Seite 3:

Kommentare zu " Finanzplanung: Die Geldprobleme der reichen Erbinnen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%