Fünf Fragen an: Alexander Banik
„Der MSCI ist weltweit Standard“

Maß für die Entwicklung der aufstrebenden Börsen ist der so genannte MSCI Emerging Markets. Im Interview mit dem Handelsblatt erklärt Alexander Banik, Fondsmanager der DWS Investments Frankfurt, wie sich die Anleger am Index orientieren und welches Portfolio besonders profitabel ist.

Handelsblatt: Wie bildet man in einem Fonds einen Index mit mehreren hundert Aktien aus 25 Ländern ab?

Blanik: Den Index eins zu eins widerzuspiegeln ist praktisch unmöglich, selbst wenn man sich rein auf Computer-Modelle verlässt. Fonds, die den Index möglichst genau abbilden wollen, legen daher meist die Top-Positionen ins Portfolio und mischen dann Derivate und Indexfonds bei, um die Randbereiche des Indexes abzudecken. Das ist allerdings nicht der Weg, den wir gehen.

Was machen Sie anders?

Wir lösen uns in unserem Schwellenländer-Fonds ziemlich stark von den Vorgaben der Benchmark, also dem MSCI Emerging Markets. Statt 25 Ländern haben wir nur Aktien aus zwölf Ländern im Portfolio; davon liegen drei – Australien, Kanada und Singapur – außerhalb des eigentlichen Fondsuniversums. Das ist möglich, wenn die Unternehmen den Schwerpunkt ihrer Geschäftstätigkeit in Emerging Markets haben, nicht jedoch ihren Geschäftssitz. Auch bei den Ländergewichtungen orientieren wir uns weniger am Index als an unserer Einschätzung zu den Perspektiven der einzelnen Regionen.

Was ist das Ergebnis?

Unsere stärkste Wette sind zurzeit russische Aktien, auf die 22 Prozent der Fondsmittel entfallen. Allein Gazprom hat einen Anteil von 8,8 Prozent. Brasilien ist zwar noch ein Stückchen stärker gewichtet, verglichen mit dem Anteil im MSCI-Index sind wir aber nicht so offensiv aufgestellt. In China und Indien sind wir jetzt wieder optimistischer, nachdem die Bewertungen auf ein im historischen Vergleich durchschnittliches Niveau zurückgekommen sind, warten mit einer stärkeren Übergewichtung aber noch ab. Am skeptischsten beurteilen wir im Moment Südkorea und Taiwan.

Warum?

Anders als etwa Russland und Brasilien sind die beiden Ländern sehr stark exportorientiert und hängen vor allem an der Entwicklung in den USA und der Euro-Zone. Der Abschwung dort wird den Handel ohne Zweifel beeinträchtigen, daher haben wir unser Depot entsprechend umgestellt. Die koreanische Samsung Electronics etwa ist zurzeit so niedrig gewichtet wie noch nie, seit wir den Wert vor 13 Jahren erstmals gekauft haben.

Wäre es angesichts der starken Abweichung ihres Fonds vom MSCI-Index nicht sinnvoll, eine andere Benchmark zu definieren?

Der Index ist ein weltweiter Standard, zu dem es keine echten Alternativen gibt. Deswegen versuchen wir schon, unseren Fonds daran auszurichten. Das tut schließlich auch die Konkurrenz, mit der uns der Anleger vergleicht.

Die Fragen stellte Ralf Drescher.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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