Fünf Fragen an: Dieter Michelson: „Ein Einstieg ist heute noch möglich“

Fünf Fragen an: Dieter Michelson
„Ein Einstieg ist heute noch möglich“

Im Interview mit dem Handelsblatt erklärt Dieter Michelson welche Besonderheiten man beim Handel mit Briefmarken beachten muss, wie man sich am besten informiert und mit welchen Marken man beginnen sollte.
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Herr Michelson, welche Besonderheiten muss man beim Handel mit Briefmarken beachten?

Der Briefmarkenhandel hat sich im Laufe der Jahrzehnte natürlich gewandelt. Am Anfang waren die örtlichen Händler noch der zentrale Punkt des Marktes. Nicht nur große Sammlungen, sondern auch wertvolle Einzelstücke wurden auf diesem Weg verkauft. Im Laufe der Zeit wurden aber Auktionen vor allem im hochpreisigen Segment immer wichtiger. Hinzu kamen nicht zuletzt Versand- und Internethändler. Versandhändler verkaufen die Marken meistens konfektioniert. Die Internethändler sind heute gerade bei dem unterpreisigen Material dominierend. Steigt der Marktwert der einzelnen Stücke oder Sätze über 500 Euro, wählen die Verkäufer aber meistens weiterhin die Auktion.

Wie sehen denn die typischen Akteure auf dem Markt aus?

Es gibt Privatleute mit Briefmarkensammlungen, die hundert Millionen Euro und mehr wert sind. Diese sind aber die absolute Seltenheit. Zudem sind viele der Besitzer der großen und wertvollen Sammlungen gleichzeitig Besitzer großer Kunstsammlungen oder Sammlungen anderer Art – wie etwa Oldtimer, Uhren oder Antiquitäten.

Und wie sieht es eine Klasse tiefer aus?

Zum einen sind da Sammler vertreten, die sich mit der Philatelie aus-kennen und selbst entscheiden, was sie zu welchen Preisen kaufen. Diese Investoren haben tiefe Kenntnisse des Marktes, sind meist auch Sammler von philatelistischer Literatur und besitzen die Kataloge der wichtigen Auktionen. So können sie die Preise der großen Stücke auf Auktionen bis ins 19. Jahrhundert hinein verfolgen. Andere verlassen sich bei ihren Käufen auf Berater, die den Markt gut kennen, und das Käuferverhalten analysieren.

Wie können sich denn Neulinge am besten informieren?

Der führende Katalog ist der Michel. Marktpreise findet man, wenn man Auktionen verfolgt. Der Besuch von internationalen Briefmarkenausstellungen und Messen empfiehlt sich ebenfalls. Dort kann man ungestört und locker mit Vertretern der Briefmarkenverbände sprechen.

Und mit welchen Marken ist der Einstieg am einfachsten?

Nach der Versteigerung der Boker-Sammlung in den 80er- und 90er-Jahren, als Preise für altdeutsche Marken einen Höhenflug erlebten, sind diese Preise zum Teil stark gefallen. Dies haben sich einige Sammler zunutze gemacht und danach preiswert Sammlungen aufgebaut. Die Nachfrage zieht derzeit an, aber der Erwerb von mittleren und Spitzenstücken der altdeutschen Staaten ist auch heute noch zu recht attraktiven Preisen möglich. Dabei sollten aber gerade Einsteiger darauf achten, ob die Marken von einem Bundesprüfer zertifiziert sind und wer die Vorbesitzer waren. Denn je berühmter die Sammlungen ehemaliger Besitzer wie etwa Ferrari, Burrus oder König Carol von Rumänien sind, desto eher ist man sicher, ein dem Preis entsprechend schönes Stück erworben zu haben.

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