Fünf Fragen an: Dietmar Vogelsang
„Dem Makler steht der Markt offen“

Die Arbeit von Beratern ist durch ein neues Gesetz transparenter geworden. Doch sind Berater und Makler die richtigen Ansprechpartner für junge Erwachsene? Im Interview mit dem Handelsblatt gibt Dietmar Vogelsang, Vereidigter Sachverständiger für Kapitalanlagen, Einblicke in aktuelle Entwicklungen.
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Im Mai ist für die Versicherungsbranche das Gesetz zur Neuregelung des Versicherungsvermittlerrechts in Kraft getreten. Was ändert sich damit?

Neu ist unter anderem, dass die Berater ein Beratungsprotokoll erstellen müssen, es sei denn, der Kunde verzichtet explizit darauf. Zudem soll der Beratungsaufwand angemessen sein gegenüber den Prämien, die der Kunde beispielsweise für eine Versicherung zahlt. Und die Vermittler sind verpflichtet anzugeben, ob sie gebundener Agent, Mehrfachagent oder aber Makler sind.

Was heißt genau, dass der Beratungsaufwand gegenüber den Prämien angemessen sein soll?

Der Beratungsaufwand soll danach bemessen werden, wie hoch die Prämien sind, die der Kunde für die Versicherung zahlt. Ein Beispiel: Die jährlichen Prämien für eine private Haftpflichtversicherung liegen beispielsweise zwischen 50 und 100 Euro jährlich, der Vermittler erhält dafür etwa zehn bis 20 Euro Provision im Jahr. Da stellt sich die Frage, ob dafür ein zweistündiges Beratungsgespräch als angemessen gilt. Der Kunde sollte den Vermittler fragen, was er an dem Vertrag verdient, denn der Vermittler muss ihm das auf Nachfrage sagen.

Sie sprachen drei verschiedene Typen von Vermittlern an. Worin unterscheiden die sich?

Der gebundene Agent ist nur für eine Versicherungsgesellschaft tätig, der Mehrfachagent für mehrere Gesellschaften. Er bietet immer nur eine Produktschiene von einem Anbieter an, also beispielsweise nicht von fünf Gesellschaften eine Lebensversicherung. Dem Makler steht der Markt offen, er arbeitet als Interessenwalter des Kunden. Dabei hat er die weitestgehenden Pflichten; er muss rechtfertigen, warum er das Produkt einer bestimmten Gesellschaft ausgewählt hat und das notfalls auch belegen können. Das ist ein ganz anderer Anspruch als bei einem Agenten.

Ist denn der Makler der richtige Ansprechpartner für junge Menschen?

Für einen Makler, in dem Sinne, wie ich ihn verstehe, ist ein 20-Jähriger eigentlich nicht interessant, denn das Haftungsrisiko ist im Verhältnis zur Provision viel zu groß.

An wen sollten sich Schüler und Studenten mit ihren finanziellen Fragen wenden?

Für junge Leute ist meist die Bank der beste Ansprechpartner. Geht es um Versicherungen oder Vermögenswirksame Leistungen bzw. andere staatliche Förderungen, können sie sich durchaus auch an Finanzvertriebe wenden.

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