Fünf Fragen an: Ise Bosch
„Was ist die passende Rendite?“

Ise Bosch, Vorstandsmitglied der Frauenstiftung Filia, ist selbst Erbin und hat ein Erbinnennetzwerk mitgegründet. Im Handelsblatt-Interview spricht sie über die Arbeit des Pecunia-Netzwerkes, den Service von Banken und Beratern für wohlhabende Privatkunden und über den Status vermögender Frauen.
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Sie sind selbst Erbin, aus der Industriellenfamilie Bosch, und haben ein Erbinnennetzwerk mitgegründet. Was hat sie zu diesem Schritt veranlasst?

Wer geerbt hat oder anderweitig zu mehr Geld gekommen ist, als er selbst dringend benötigt, ist mit Themen konfrontiert, die über die Geldanlage weit hinausgehen. Frauen erben anders: Viele fürchten, durch Bekanntwerden ihres Erbes zur Außenseiterin zu werden und scheuen die neue Verantwortung. Bei anderen wechseln sich große Ideen mit ebenso großer Ratlosigkeit ab. Da besteht Gesprächsbedarf. Viele Erbinnen wollen etwas bewirken, ohne von den Wünschen anderer aufgefressen zu werden. Wer zudem nicht nur auf Spendenaufrufe reagieren will, sondern gezielt, strategisch und nachhaltig spenden will, muss sinnvoll planen. Oft hilft dabei eine gute Beratung.

Was macht das Pecunia-Netzwerk?

Hier treffen sich Erbinnen, um gemeinsam über ihre Rolle als reiche Frau nachzudenken. Dafür finden wir uns in Gesprächsgruppen zu selbst gewählten Themen zusammen. Oft geht es um recht persönliches, Fragen der Ethik oder der Beziehungen, was das Geld anbelangt. Wir alle haben das Interesse, frei und kompetent als Erbin aufzutreten. Natürlich geht es auch um eine realistische finanzielle Lebensplanung – was haben wir, was brauchen wir für uns selbst und diejenigen, die von uns abhängen, und was haben wir übrig, das wir dann auch weitergeben können.

Viele Banken und Berater bieten einen speziellen Service für vermögende Privatkunden. Vermissen Sie bei denen etwas?

Es gilt immer noch das Credo, Geldvermehrung um jeden Preis, und Spenden im Rahmen der steuerlichen Absetzbarkeit. Was in der Breite fehlt, ist der Blick auf die Philanthropie, also die Menschenfreundlichkeit oder die Menschenliebe. Es gibt durchaus Erbinnen und Erben, die für andere Menschen Gutes tun wollen. Es gibt aber kaum Finanzdienstleister oder auch Steuerberater, die das Geldgeben im Blick haben und auch mal fragen: Wie viel Geld wollen Sie eigentlich besitzen? Was empfinden Sie als eine passende Rendite? Wie viel möchten Sie weitergeben? An Ihre Familie, an Ihr Umfeld, an soziale Einrichtungen? Und wie? Geldgeschenke, Patenschaften, Spenden, Stiften? Nach meinen Erfahrungen wären diese Fragen willkommen.

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