Fünf Fragen an: Jürgen Dobert
„Eine Anlage nur für Vermögende“

Der Hamburger Schifffahrtsexperte Jürgen Dobert verät dem Handelsblatt, für welche Anleger sich Schiffsbeteiligungen eignen und welche Schiffs-Größenklasse den größten Erfolg verspricht.

Für welche Anleger eignen sich Schiffsbeteiligungen?

Wie für alle geschlossenen Fonds gilt auch für Schiffsbeteiligungen: Anleger müssen sich des Risikos bewusst sein, das sie eingehen. Sie müssen wissen, dass Ausschüttungen und Renditen nur Prognosen sind, die auf einer Reihe von Annahmen basieren, deren Seriosität zu beurteilen viel Fachkenntnis erfordert. Bei einer großen Zahl von Fondsschiffen fielen die Auszahlungen in der Praxis deutlich geringer aus als in den Prospekten vorhergesagt. Oftmals blieben Ausschüttungen sogar ganz aus. Anleger müssen auch wissen, dass ihre Einlage im Extremfall verloren gehen kann. Deshalb kommen Schiffsbeteiligungen nur für vermögende Anleger in Frage, und selbst die sollten in Schiffsfonds nur eine kleine Portfolio-Beimischung sehen.

Lässt sich das Risiko durch die Wahl des Schiffstyps mindern?

Generell steigt das Risiko mit der Volatilität der jeweiligen Märkte, also der Geschwindigkeit und Heftigkeit, mit der die Erlöse mal in die Höhe, dann in die Tiefe schnellen. Und da stehen Öltanker und Massengutfrachter nach wie vor oben an. Auch der Chartermarkt für Containerschiffe ist zwar volatil geworden, doch die Amplituden fallen schwächer aus.

Die Charterraten für Containerschiffe haben ihren Höhepunkt überschritten – kündigt dies Überkapazitäten an?

Momentan herrscht wieder einmal große Unsicherheit im Markt. Die Linienreedereien, also die Charterer von Containerschiffen, machen sich das Leben im Kampf um Marktanteile gegenseitig schwer. Sie schreiben nach mehreren Jahren klotziger Gewinne seit kurzem rote Zahlen – trotz voller Schiffe. Der Grund liegt außer in den krass gestiegenen Treibstoffkosten in der Sorge über möglicherweise gravierende Überkapazitäten und darüber, ob die neuen, wieder größer gewordenen Schiffe auch künftig zu füllen sein werden. Dabei hat das transportierte Ladungsvolumen in diesem Jahr wieder über zehn Prozent zugelegt und damit kräftiger als erwartet. Die Frage ist, ob sich das Bild in einem halben Jahr schon wieder entspannt. So war es im vergangenen Jahr.

Welche Schiffs-Größenklasse verspricht den größten Anlageerfolg?

Entscheidend sind die Parameter, zu denen das Schiff für den Fonds eingekauft und betrieben wird, und dass die Prognosen nicht geschönt werden. Das ist unabhängig von Schiffstyp und Schiffsgröße. Für große Schiffe finden sich leichter Charterer am Markt, die einen langjährigen Mietvertrag über sechs, acht oder auch zwölf Jahre abzuschließen bereit sind. Das gibt Halt für eine sicherere Kalkulation, beschneidet dafür die Möglichkeit, auf Marktbewegungen zu reagieren. Eine von mir erstellte Performance-Analyse ergibt leider, dass die Mehrzahl der Initiatoren aus den Möglichkeiten, die der freie Markt bietet, für ihre Anleger weniger herausgeholt hat als die Betreiber langfristig vercharterter Schiffe.

Worauf sollten Anleger bei einem Schiffsfonds achten?

Worauf es ankommt, kann der Anleger nur nach sorgfältigem Studium des Beteiligungsprospekts und/oder fachkundiger Beratung erkennen. Dann stellt er zum Beispiel fest, dass Ausschüttungen nicht als Gewinn oder Rendite misszuverstehen sind, wie es mancher Vertrieb zu suggerieren versucht. Da das Schiff nämlich im Laufe der Jahre an Wert verliert, ist aus dem Verkaufserlös nicht mit der vollen Rückzahlung der Kapitaleinlage zu rechnen, sondern vielleicht nur mit 60 oder 70 Prozent.

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