Fünf Fragen an: Lutz Johanning
„Risikostreuung bleibt stets sinnvoll“

Risikoabsicherung geht auf Kosten der Renditechancen. Lutz Johanning, Professor an der WHU Otto Beisheim School of Management, spricht im Handelsblatt-Interview über Kapitalgarantien, Diversifizierung des Portfolios sowie die Sicherheiten von Investmentfonds.

Handelsblatt: Wegen immer neuer Schreckensnachrichten zur Finanzkrise legen viele Anleger ihr Geld in Fonds mit Kapitalgarantie an. Wie bewerten Sie diese Produkte?

Lutz Johanning: Diese Fonds bieten in der Regel eine Kapitalgarantie auf eine bestimmte Laufzeit. Beispielsweise erhält der Anleger mindestens sein eingezahltes Kapital nach drei Jahren zurück. Diese Risikoabsicherung kostet natürlich Renditechancen. Je länger der Absicherungszeitraum, desto geringer sind allerdings die Renditeeinbußen. Wichtig ist, dass diese Garantien häufig nur zum Ende der genannten Laufzeit bestehen. So kann der Vermögenswert im Verlauf unter den anfänglichen Einzahlungsbetrag fallen. Diese Fonds machen für solche Anleger Sinn, die eine hohe Präferenz zur Vermeidung von Verlusten haben.

Welche Alternativen sehen Sie am Kapitalmarkt?

Neben diesen Fonds gibt es auch Garantiezertifikate, die nach demselben Prinzip arbeiten. Allerdings weisen Zertifikate ein Emittentenrisiko auf. Krisensichere Anlagen sind zudem festverzinsliche Anleihen von Staaten guter Bonität.

Inwiefern gilt der Grundsatz der Diversifizierung in Zeiten einer Finanzkrise?

Eine Finanzkrise ist dadurch gekennzeichnet, dass die Kurse an vielen Märkten zugleich fallen. Typischerweise suchen Anleger dann den „sicheren Hafen“ und kaufen Garantieprodukte oder Anleihen von Staaten guter Bonität, beispielsweise Bundesanleihen. Die Kurse dieser Wertpapiere fallen folglich nicht oder steigen sogar. Ist ein Portfolio gut diversifiziert, erleidet der krisenbetroffene Teil Verluste, die aber durch die sichere Anlagen zumindest teilweise kompensiert werden. Ein diversifiziertes Portfolio sollte sich also auch in der Krise relativ gut schlagen.

Wie viel Liquidität im Portfolio ist in einer Krise sinnvoll?

Das hängt von den Liquiditätspräferenzen ab. Anleger mit kurzfristigen Ausgabeverpflichtungen sollten grundsätzlich viel Liquidität vorhalten. Andere Anleger haben einen langfristigen Anlagehorizont. Sie benötigen weniger Liquidität und haben auch kein Problem, eine Liquiditätskrise auszusitzen. Langfristig verdienen diese Investoren eine Liquiditätsprämie in Form von höheren Renditen. Solche Anleger sollten jetzt nicht nervös werden, sondern an ihrer langfristigen Strategie festhalten.

Was leisten Investmentfonds in Sachen Sicherheit?

Investmentfonds sind als Sondervermögen ausfallsicher, es existiert kein Emittentenrisiko. Durch den Grundsatz der Diversifikation müssen Fonds die Risiken streuen. Wenn aber die Anlagestrategie auf ein bestimmtes Anlageuniversum ausgerichtet ist, muss der Fonds in dieses Titeluniversum investieren. Ist dieser Markt von der Krise betroffen, gilt das folglich auch für den Fonds.

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