Fünf Fragen an: Murat Ünal
„Auf die Kapazitäten achten“

Wie wichtig ist Größe? Im Handelsblatt-Interview spricht Murat Ünal, Vorstand bei Funds-at-work, über deren Bedeutung für Investmentfonds, wo sie ihre Grenzen hat und was es mit der Anlegerstabilität auf sich hat.
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Welche Bedeutung hat Größe bei Investmentfonds?

Das hängt von verschiedenen Faktoren ab, etwa vom Anlageuniversum. Bewegt man sich mit einem Fonds in einem äußerst liquiden Markt wie der Euro-Stoxx-50-Welt, setzt die Größe einem Fonds nicht so schnell Grenzen mit Blick auf Anlagemöglichkeiten wie in einem Nischenmarkt. Kapazitätsengpässe sollte man aber auch bei der Fondsgesellschaft selber suchen.

Was ist zu befürchten?

In einem großen Anlageuniversum braucht ein Fondsmanager größere Kapazitäten für das Research. Dies hängt natürlich auch vom Investmentansatz ab. Die Herausforderung ist, stets über genügend Kapazitäten zu verfügen, um das Geschehen bei den jeweiligen Firmen, etwa im Rahmen der Fundamentalanalyse, zu beobachten und auf Veränderungen zu reagieren. Wenn Fondsmanager darüber hinaus noch, wie es nicht unüblich ist, verschiedene Fonds verantworten, kann das schnell zu Engpässen in der Manpower führen. Solide Asset Manager achten stark auf Kapazitätsaspekte.

Was ist anders bei den so genannten Flaggschiff-Fonds?

Da diese Fonds in erheblichem Maße zur Ertragslage der Investmentgesellschaften beitragen, achten die Häuser besonders darauf, dass Zahlen, vor allem die Wertentwicklung, stimmen.

Was bedeutet „Große Fonds bieten größere Anlegerstabilität“ ?

Gerade in Krisenzeiten können Ad-hoc-Reaktionen von Anlegern Fonds in die Bredouille bringen. Ein großvolumiger Fonds mit breitem, diversifizierten Investorenstamm kann generell nicht so schnell durch Kapitalabflüsse in eine Zwangslage geraten wie eventuell ein kleiner Fonds mit überschaubarer Anteilseignerzahl. Für Manager kleinerer Fonds ist es nicht ungewöhnlich, dass sie auch mal Wertpapiere verkaufen müssen, wenn ein großer Investor Kapital abzieht.

Wo sehen Sie Grenzen in Sachen Fondsgröße?

Je größer der Anteil des Fondsvolumens an der Marktkapitalisierung seines Anlageuniversums ist, desto näher könnte der Fondsmanager mit seinem Portfolio an den Börsen-Vergleichsindex herankommen. Dann wird es schwieriger, besser als der Index abzuschneiden, insbesondere wenn man den Punkt Kosten für die Verwaltung und für Transaktionen – natürlich auch getrieben durch die Umschlagshäufigkeit des Portfolios – miteinbezieht. Mit zunehmender Größe des Fonds wird es auch relativ schwerer, große Wertpapierpositionen zu handeln. Da muss der Fondsmanager den Deal gegebenenfalls stückeln, um nicht den Börsenpreis zu stark zu beeinflussen.

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