Fünf Fragen an: Stefan Loipfinger
„Mehrere Interessenten ansprechen“

Stefan Loipfinger ist Herausgeber des Infodienstes „Fondstelegramm“. Mit dem Handelsblatt sprach er über die Vor- und Nachteile von Fondsanteilen und die beste Strategie auf dem Zweitmarkt.

Was spricht für, was gegen den Kauf von gebrauchten Fondsanteilen?

Neuemissionen sind mit erheblichen Anfangskosten belastet, was bei gebrauchten Anteilen nicht der Fall ist. Das ist ein klarer Vorteil der Zweitmarktanteile. Ein weiteres Argument für den Kauf von Zweitmarktstücken ist die kürzere Restlaufzeit und die bereits bekannte Performance. Daraus lässt sich die zukünftige Rendite besser abschätzen. Gegen den Kauf von gebrauchten Anteilen spricht die deutlich schwierigere Beschaffung. Anleger müssen sich sehr intensiv mit der Bewertung von Fonds sowie den Ankaufsmöglichkeiten beschäftigen.

Wie soll ein Anleger auf dem Zweitmarkt einsteigen?

Wer das Know-how und die Zeit aufbringt, um selbst Fonds zu bewerten und zu beschaffen, der wird von Internet-Plattformen und der Hamburger Zweitmarktbörse gut bedient. Allerdings sollte er den Aufwand für Preisfindung und Selektion interessanter Investments nicht unterschätzten. Eine Alternative dazu sind Zweitmarktfonds. Hier wird diese Arbeit von Profis übernommen, die allerdings auch Geld kosten, was im Endeffekt die Rendite wieder schmälert.

Wie können Anteilsverkäufer verhindern, dass sie über den Tisch gezogen werden?

Für Verkäufer von einigermaßen gut laufenden Fonds ist derzeit der Markt sehr günstig, da die Nachfrage für Zweitmarktstücke sehr hoch ist. Allerdings sollte ein Verkäufer nach Klärung der steuerlichen Situation mit dem eigenen Steuerberater nicht voreilig an den Erstbesten verkaufen. Wer mehrere professionelle Aufkäufer anspricht, kann höhere Preise erzielen. Nicht selten ist zwischen dem ersten und dem letzten Angebot eine Preisdifferenz von 20 und mehr Prozentpunkten.

Welche Konsequenz hat die Konkurrenz der Aufkäufer für die Zweitmarktfonds?

Die derzeit sehr hohe Nachfrage ist gut für die Verkäufer, aber nicht gut für die Käufer. Gerade Zweitmarktfonds stehen unter einem hohen Investitionsdruck. Geld, das monatelang bei Minizinsen auf dem Tagesgeldkonto liegt, belastet die Gesamtperformance der Fonds. Deshalb muss es schnell investiert werden, was häufig nur zu hohen Preisen möglich ist. Das wird aber langfristig die Performance von Zweitmarktfonds belasten.

Fondsinitiatoren wollen Anleger vor Anteilsverkäufen unter Wert und Übernahmen der Fonds durch Großinvestoren durch Klauseln schützen, die den Verkauf beschränken. Ist das gut für die Anleger?

Die unterschiedlichen Interessen der Zweitmarktaufkäufer und der Emissionshäuser führen zu teilweise sehr zweifelhaften Vorgehensweisen. Es ist zwar in der Tat so, dass Aufkäufer sogar die Adressen von Anlegern per Gerichtsbeschluss erwirken und durch regelrechte Brandbriefe versuchen, Panikverkäufe zu provozieren. Andererseits sind die pauschalen Argumente der Emissionshäuser gegen die „bösen Profiaufkäufer“ von erheblichen Eigeninteressen geprägt. Deshalb werden nachträglich Gesellschaftsverträge geändert und Vorkaufsrechte oder Zustimmungsklauseln zum Verkauf – manchmal auch beides – eingebaut. Nicht selten soll dadurch aber auch nur verhindert werden, dass ein Profi innerhalb des Gesellschafterkreises sinnvolle Verkäufe der Anlageobjekte und eine Auflösung des Fonds vorantreibt, wodurch der Initiator laufende Einnahmen aus Verwaltungsgebühren verliert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%