Fünf Fragen an: Ulrich Kater
„Deutschen Anlegern fehlt der lange Atem“

"Die Deutschen sind gerade dabei, sich eine Wertpapierkultur zuzulegen und haben dabei in der Grundschule angefangen" meint Ulrich Kater. Im Gespräch mit dem Handelsblatt erklärt der Chef-Volkswirt bei der Dekabank in Frankfurt am Main, warum das Thema Sicherheit für Anleger so wichtig ist.

Warum ist das Thema Sicherheit für Anleger so wichtig?

Weil die Anleger in Deutschland generell keine große Erfahrung mit dem Thema Wertpapieranlage haben. Die langfristige Ausrichtung über mehrere Jahre oder Jahrzehnte, bei der zwischenzeitliche Schwankungen ausgeblendet werden können, fehlt dabei völlig. Stattdessen dominiert die kurzfristige Sichtweise über wenige Jahre: Man tut so, als würde man ausschließlich für das nächste Auto oder die nächste Reise sparen.

Leiden immer noch zu viele Anleger unter den Folgen der New-Economy-Blase von 1999?

Die Wertpapierblase von damals hat die Anleger kalt erwischt, weil sie dort auf keinerlei Erfahrung getroffen ist. Die Deutschen sind gerade dabei, sich eine Wertpapierkultur zuzulegen und haben dabei in der Grundschule angefangen. Die vergangene Aktienmarktblase war allerdings Abitur-Niveau. Erfahrene Anleger kennen die Regeln, wie sie sich gegen Schwächephasen wehren. Sie investieren beispielsweise nicht mit Einmalzahlungen, sondern mit kleineren, regelmäßigen Summen. Sie streuen branchenmäßig und regional breit.

Sind die rückläufigen Aktionärszahlen dem zu verdanken?

Der Trend zur Sicherheit hängt damit zusammen, dass bei vielen Anlegern noch nicht übergesprungen ist, warum langfristige Anlageentscheidungen heute wichtig sind. Wir wissen nicht, wie sich unser neues Eigenvorsorgesystem fürs Alter in einigen Jahren anfühlen wird. Wir haben keine praktische Erfahrung mit dem neuen Rentenversicherungssystem, keinen Anschauungsunterricht durch die Vorgängergeneration bekommen, wie langfristige Geldanlage funktioniert.

Sind die Banken mit ihrer Produktvielfalt zum Thema Sicherheit Schuld an diesem Trend?



Die Banken können auf diesen Trend nur hinweisen, können Informationen verbreiten über die Rentenwelt von morgen und was man heute tun kann. Nicht die Vielfalt der Produkte ist entscheidend, sondern, ob langfristig oder am Geldmarkt investiert wird.

Was raten Sie Anlegern, die ihr Geld sicher investieren wollen?

Das hängt vor allem davon ab, wie lange er sein Geld anlegen will. Wenn er über zehn bis zwanzig Jahre sein Geld investieren will, dann versprechen Aktien die beste Rendite. Breit gestreut über Einstiegszeiträume und Regionen, hier sollten auch die Emerging Markets nicht zu kurz kommen. Aber auch Immobilien und Immobilienfonds sind interessant. Dafür aber weniger in den Geldmarkt: Der ist für das kurzfristige Geldparken und gewährt in realer Betrachtung nicht viel mehr als den Kapitalerhalt.

Die Fragen stellte Christian Schnell.

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