Fünf Fragen zur Altersvorsorge an: Bernd Katzenstein
„Aus der Pyramide wird ein Dönerspieß“

Bernd Katzenstein, Sprecher des Deutschen Instituts für Altersvorsorge, hält eine private Rentenversicherung heutzutage für unverzichtbar. Im Interview mit dem Handelsblatt spricht er über die Riester-Rente und die Skepsis der Menschen bei Finanzprodukten.
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Herr Katzenstein, wie wichtig ist Ihrer Meinung nach heutzutage die private Altersvorsorge?

Sie ist unverzichtbar. Selbst die Regierung sagt seit einigen Jahren, dass die gesetzliche Rente bei weitem nicht mehr ausreicht, um die künftigen Ruheständler ausreichend zu versorgen. Die Zahl der Jungen sinkt, die der Alten steigt. Früher war das Fundament breit, weil die Zahl der Jungen im Vergleich zu den Älteren sehr groß war. Deshalb auch das Wort Bevölkerungs-Pyramide. Mittlerweile haben wir eher einen Dönerspieß, unten schmal und nach oben breiter werdend. Ein Umlagesystem wie die gesetzliche Rente ist damit überfordert. Es kann den Ruhestand nicht mehr angemessen finanzieren. Es sei denn, man würde den Beitragssatz oder den Steuerzuschuss drastisch erhöhen. Das aber erdrückt die Wirtschaftskraft.

Sind die Deutschen ausreichend über dieses Thema informiert?

Eher nicht. Bei vielen ist die Abneigung gegenüber Finanzthemen groß. Altersvorsorge – das alles klingt sehr mühsam und ganz weit weg. Der Mensch beschäftigt sich lieber mit aktuelleren Dingen als seiner Finanzplanung, auch wenn das sehr wichtig wäre. Und jetzt ist auch noch Finanzkrise; viele wollen mit diesen Themen so wenig wie möglich zu tun haben.

Warum sind die Riester-Verträge inzwischen so beliebt? Lange Zeit war das doch anders ...

Neues wird selten schnell akzeptiert. Die Deutschen lieben aber sichere Anlageprodukte – und das ist bei Riester-Verträgen durch die Nominalgarantie der Fall. Gerade in Zeiten der Finanzkrise ist das ein gewichtiges Argument für diese Produkte. Aber man darf natürlich nicht vergessen, dass die Summen und die Vertriebsprovisionen attraktiver geworden sind. Das macht es für die Berater sehr viel lukrativer, Riester–Verträge zu verkaufen.

Der Sparer ist also letztlich der Dumme?

Das sollte man so nicht sehen. Die Deutschen mäkeln besonders gerne bei den Finanzdienstleistern herum. Komischerweise akzeptieren die Kunden bei anderen Branchen viel eher Gewinne. Die meisten Zeitungen und Dienstleistungen, die etwas wert sind, gibt es schließlich auch nicht umsonst. Offenbar darf aber eine Versicherung keine Gewinne machen. Es ist aber auch ein Problem der Transparenz. Provisionen waren bisher meist versteckt, eine ehrliche Beratung gegen Honorar wie etwa beim Steuerberater oder Anwalt will aber bislang kaum jemand.

Warum sind die Menschen bei Finanzprodukten so skeptisch?

Das hat psychologische Gründe. Angst, Gier und Verdrängung spielen bei diesem Thema eine sehr große Rolle. Finanzanlagen sind nicht so sexy wie Klingeltöne oder Mode. Dabei sind gerade die Riesterprodukte sehr transparent und verbraucherfreundlich.

Die Fragen stellte Christian Panster.

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