Geldanlage
Rohstoffe: Das Risiko der eiskalten Nacht

Investitionen in Agrar-Rohstoffe sind reizvoll und riskant. Zwar sprechen viele Anzeichen für mittel- und langfristig steigende Preise. Doch die Wertentwicklung von Kaffee, Kakao, Zucker und Getreide hängt von wesentlich mehr Einflussfaktoren ab als die von Rohstoffen wie Gold und Öl und ist deshalb schwerer einzuschätzen.
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FRANKFURT. Vor der Weltwirtschaftskrise zählten Agrar-Rohstoffe zu den Top-Favoriten der Anleger, weil ein massiver Kapitalzustrom die Preise auf neue absolute Rekorde trieb. Doch im ersten Quartal 2008 schlug die Rezession voll zu. Die Preise am Agrarmarkt brachen ein, als sich finanziell klamme Finanzinvestoren panikartig zurückzogen. Hinzu kam, dass die Wirtschaftskrise auch die physische Nachfrage nach Agrarprodukten drückte. "Nach vielen Jahren exorbitanten Wachstums schrumpft unser Agrarexport wieder", sagt etwa Mark Gehlhar vom Landwirtschaftsministerium der USA, dem weltgrößten Agrarproduzenten.

Große Unbekannte im Agrarbereich sind auch auf politischer Ebene zu finden, denn die großen Produzentenländer sind oft instabil, Unruhen und Bürgerkriege können zu massiven Störungen auf der Angebotsseite führen.

Und auch Klima und Wetter beeinflussen die Preise spürbar. Profis am Agrarmarkt nutzen Informationen der Klima- und Wetterforschungsinstitute, um Prognosen über Temperaturen, drohende Frostnächte, Überschwemmungen, Hitzewellen und Dürrekatastrophen zu erstellen. Diese Informationen, aus denen sich Profis einen Wissensvorsprung erarbeiten, sind Grundlage kurzfristiger Ernteschätzungen. Wenn etwa Kaltfronten in Richtung der Orangen-Anbaugebiete Brasiliens und Floridas ziehen, löst das an den Terminbörsen regelmäßig Panik aus.

Ein weiterer wichtiger Faktor für die Preisentwicklung der Agrar-Rohstoffe ist der Gesundheitszustand von Pflanzen und Feldfrüchten. Dieser bestimmt maßgeblich sowohl die Quantität als auch die Qualität der Ernten. Wird eine Pflanze in einer bestimmten Wachstumsphase zum Beispiel von Schädlingen befallen, drohen oft massive Ernteausfälle.

Und nicht zuletzt kann auch die Transport-Problematik auf den Preis einwirken. Denn zahlreiche Rohstoffe wie Kaffee und Kakao werden in der Regel weit ab von den großen Verbraucherzentren angebaut und geerntet und müssen auf dem Land- oder Seeweg erst zu den Abnehmern gebracht werden. Streiks in den Häfen und Wirbelstürme auf den Ozeanen haben so manchen Anstieg von Kaffee- und Kakaopreisen ausgelöst.

Trotz solcher Risiken gelten Agrar-Rohstoffe als attraktiv. Der Grund: Eine in nur zwei Jahrzehnten von sechs auf neun Milliarden Menschen steigende Weltbevölkerung muss ausreichend mit Nahrungsmitteln versorgt werden. Und weil sich die landwirtschaftliche Nutzfläche nicht mehr nennenswert ausweiten lässt, wird das Angebot in den nächsten Jahren nur noch bedingt steigen. Experten malen bereits die Gefahr der nächsten Krise an die Wand - einer Hungerkrise. Eines scheint angesichts dieser Entwicklung sicher: Die Preise werden steigen.

"Der Agrarmarkt bietet große Chancen", zeigt sich Gertjan van de Geer, Fondsmanager des Pictet-Agriculture-Aktienfonds, für Investoren zuversichtlich. Die Finanzmärkte bieten Anlegern unzählige Möglichkeiten für direkte und indirekte Investments. Agraraktien, Agrar-Investmentfonds und auch Indexfonds (ETC und ETF) sind geeignet für einen Einstieg in diesen Markt. Wer es spekulativer mag, kann sich in Optionen, Futures, Optionsscheinen und Zertifikaten auf Rohstoffe oder auf Rohstoffproduzenten engagieren.

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