Gerd Kommer
„Eine Strategie,die für jeden geeignet ist“

„Indexing ist für jeden geeignet, weil es die einfachste und die ertragreichste Anlagestrategie ist“, sagt Gerd Kommer. Der Investmentbanker, Indexing-Experte und Buchautor spricht im Interview über Vor- und Nachteile des Indexing und gibt Tipps, wie sich das Indexdepot strukturieren lässt.
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Handelsblatt: Warum ist passives Investieren über Indexanlagen Ihrer Meinung nach anderen Anlageformen überlegen?

Gerd Kommer: Anleger können den Markt nach Berücksichtigung von Kosten und Risiko langfristig nicht schlagen. Wenn sie es doch tun, ist es Zufall, nicht Können. Für Intervalle von fünf Jahren aufwärts liegen 90 Prozent aller Anleger bei korrekter Analyse unter dem Markt. Die zehn Prozent Outperformer wechseln von Betrachtungsperiode zu Betrachtungsperiode rein zufällig. Das hat zwei Gründe: Nach dem, was der Wirtschaftsnobelpreisträger William Sharpe einmal die Arithmetik des aktiven Anlegens genannt hat, müssen vor Kosten genau 50 Prozent aller angelegten Geldeinheiten unter der Marktrendite liegen und 50 Prozent darüber, weil alle angelegten Geldeinheiten ja der Markt sind. Berücksichtigt man Transaktionskosten, die der Markt ja nicht hat, liegen sogar mehr als die Hälfte aller Anleger unter dem Markt. Der zweite Grund ist die Efficient-Market-Theorie. Sie ist dafür verantwortlich, dass die Gruppe der Outperformer keinerlei Kontinuität aufweist. Diese Gruppe, die es übrigens stets geben wird, wechselt ihre Zusammensetzung ständig und ist nicht prognostizierbar, schon gar nicht auf der Basis historischer Renditen.

Lässt sich die Überlegenheit des passiven Anlegens belegen?

Es gibt Tausende wissenschaftlicher Studien seit Mitte der 60er- Jahre für alle wichtigen Länder und alle Assetklassen einschließlich Nebenwerten, Schwellenländeraktien und Anleihen, die die Überlegenheit von Indexing bewiesen haben. Je länger der Betrachtungszeitraum, desto klarer liegen aktive Anlagestrategien hinten.

Wenn Indexing so einfach ist – warum macht es dann nicht jeder?

Zum einem mag die Finanzbranche – also Banken, Fondsgesellschaften, Vermögensberater aber auch die Finanzmedien – Indexing so wie der Teufel das Weihwasser. Denn mit Indexing kann eine Bank oder Fondsgesellschaft nicht annähernd so viel verdienen wie mit aktiven Produkten, gerade mal ein Zehntel. Folgerichtig machen Banken für passives Anlegen und Indexanlagen nur einen Bruchteil der Werbung, die für aktive Produkte gemacht wird.

Für welche Investoren ist das Indexing was? Für wen eher nicht?

Indexing ist für jeden geeignet, weil es die einfachste und die ertragreichste Anlagestrategie ist. Darüber lässt die Wissenschaft keinen Zweifel. Indexing hat nur zwei Nachteile: Zum einen basiert es auf einer Philosophie des Nichtstuns, und das können viele Anleger psychisch nicht akzeptieren, vor allem wenn die Märkte stark steigen oder fallen. Zum zweiten ist es vielen nicht sexy genug. Für Anleger, die in der Vermögensanlage nicht nur ein notwendiges Übel, sondern ein spannendes Hobby sehen, ist das nichts. Damit kann man nicht angeben.

Wie lässt sich ein Indexdepot strukturieren – haben Sie einen Tipp?

Wer es ganz einfach haben will, kommt mit drei Exchange Traded Funds aus: Ein ETF auf den MSCI World, einen auf den MSCI Emerging Markets und ein Renten-ETF zur Risikosenkung.

Quelle: Heike Herbertz
Petra Hoffknecht
Handelsblatt / Redakteurin

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