Globale Indizes
Barometer für Bonds

Privatanleger kommen mit Rentenindizes vor allem dann in Berührung, wenn sie Rentenfonds haben und diese mit der entsprechenden Benchmark vergleichen. Den meisten von ihnen wird der Rex mittlerweile ein Begriff sein - auch wenn er nie aus dem Schatten des Dax herausgetreten ist.

FRANKFURT. Als die Börse vor gut 20 Jahren den Dax als Index für den deutschen Aktienmarkt aus der Taufe hob, beschäftigte sich eine Börsen-Arbeitsgruppe schon fieberhaft mit der Entwicklung eines Dax-Pendants für den deutschen Rentenmarkt. Es dauerte aber noch drei Jahre bis die Frankfurter Wertpapierbörse dann den Deutschen Rentenindex (Rex) der Öffentlichkeit vorstellte. Als "komplexes und kompliziertes Gebilde" bezeichnete das Handelsblatt den Index damals. Inzwischen ist er auch vielen Privatanlegern bekannt, aber aus dem Schatten des Dax ist der Rex nie herausgetreten. Auch international spielt er - anders als der Dax - nur eine untergeordnete Rolle.

Der Rex misst die Kursentwicklung von deutschen Staatsanleihen. Weiterentwickelt wurde er als Rex-Performance-Index, der neben der Kursentwicklung auch die bei Anleihen zentralen, regelmäßigen Zinseinnahmen berücksichtigt. Die Basis des Rex-Performance-Index wurde nachträglich für Ende 1987 auf 100 Punkte festgelegt. Dies bedeutet bei einem aktuellen Stand von 330,90 Punkten, dass aus damals 100 Euro heute - inklusive Zins- und Zinseszins - 330,90 Euro geworden wären. Ein Problem der Rentenindizes ist, dass sie ständig angepasst und aktualisiert werden müssen. Das liegt daran, dass Anleihen meist eine feste Laufzeit haben, an deren Ende sie zum Nominalwert von 100 Prozent zurückgezahlt werden. Weil Anleger ihr Geld am Ende der Laufzeit zurückbekommen und es im Prinzip nur darum geht, dass der Emittent nicht pleite geht, schwanken die Kurse und die Indizes von Bonds weniger stark als die von Aktien. Wenn die Bonds nur noch ganz kurze Laufzeiten haben, fallen sie aus den Indizes heraus.

"Die ständigen Veränderungen stellen die Indexanbieter oft vor große Herausforderungen", sagt André Härtel, Fondsanalyst bei Feri Rating & Research: "Schwierig wird es vor allem, wenn Bonds aus einem Index fallen und es keinen adäquaten Ersatz gibt."

Beim Rex - wie auch beim deutschen Pfandbriefindex Pex - sollte das Problem umgangen werden. Sie bestehen nicht aus tatsächlich gehandelten, sondern nur aus idealtypischen Anleihen. Damit sollte ein konstantes Barometer geschaffen werden.

"Diese Indizes sind aber wenig aussagekräftig, vor allem deshalb, weil Anleger sie nicht mit realen Anleihen nachbilden können", kritisiert Björn Bahlmann, Produktmanager bei SEB Asset Management. Er geht davon aus, dass Rex und Pex noch weiter an Bedeutung verlieren werden. Auch die Deutsche Börse hat das Problem erkannt und bietet mit den Indizes der "eb.rexx"-Familie Bond-Barometer an, die auf tatsächlich an der Börse gehandelten Anleihen und Jumbo-Pfandbriefen basieren.

Von über 800 Rentenfonds inklusive börsengehandelter Indexfonds (ETFs), die laut Feri eine Benchmark angeben, nutzen nur gut fünf Prozent die Indizes der Deutschen Börse. Das liegt auch daran, dass die Welt der Anleihen und der sie abbildenden Fonds unglaublich groß und breit gefächert ist. Allein die gut 800 in Deutschland zugelassenen Rentenfonds, die eine Benchmark angeben, verwalten laut Feri insgesamt mehr als 192 Mrd. Euro.

Und selbst das ist nur ein Bruchteil des weltweiten Marktes für Staatsanleihen. Nach Berechnungen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) standen Ende vergangenen Jahres weltweit Anleihen im Nominalwert von 67,25 Bill. Dollar aus. Von 2005 bis 2007 kamen jedes Jahr neue Anleihen über rund sechs Bill. Dollar auf den Markt. Das Volumen neuer Anleihen übertraf damit das jährliche Volumen neuer Aktien laut Datenanbieter Dealogic um das jeweils Sechseinhalb- bis Zehnfache.

Entsprechend gibt es auch viele Indizes, die versuchen, diesen breiten Markt abzubilden. Werner Krämer, Leiter der Analyse bei der Fondsgesellschaft Lazard Asset Management in Deutschland schätzt, dass es schätzungsweise um die 10 000 verschiedene Rentenindizes gibt. Dabei teilen sich die Indizes in zahlreiche Unterkategorien. Denn abbilden lässt sich fast alles: Anleihen von Staaten wie den großen Industrienationen einzeln oder zusammengefasst, Staatsbonds aus dem Euro-Raum oder aus den Schwellenländern. Dazu kommen Anleihen von Unternehmen, die sich zum einen in die verschiedenen Branchen und dann noch in die großen Kategorien gute Bonität (Investment-Grade) oder schwache Bonität (Non-Investment-Grade oder salopp Junk-Bonds) unterteilen lassen. Auch Indizes, die nur Bonds mit noch genauer definierten Ratings von den großen Agenturen Standard & Poor?s (S&P), Moody?s und Fitch abbilden, gibt es zuhauf.

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