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Am Agrarboom verdienen

Viele Europäer stellen sich unter Landwirtschaft in Südamerika gerne endlose Pampas vor, in denen sich ein paar Rinder verlieren. Doch dieses Bild hat wenig mit der Realität zu tun:

SAO PAULO. Die Agroindustrie zählt heute zu den dynamischsten Branchen Südamerikas. In den neunziger Jahren haben Länder wie Brasilien und Argentinien ihre maroden Landwirtschaften in hochmoderne Agroindustrien verwandelt. Agrokonzerne aus Brasilien, Argentinien und Chile sind heute Weltmarktführer für Produkte wie Weizen, Soja, Kaffee, Zucker, und Rindfleisch.

Anleger, die davon profitieren wollen, können in Zertifikate für einzelne Rohstoffe oder Rohstoffgruppen, sowie spezielle Rohstofffonds investieren und so am Boom verdienen.

Für Aktienanleger ist das schwerer. Der Grund: Trotz des Booms und der vielen Spitzenunternehmen gibt es wenige gelistete Agroaktien in Südamerika. Die meisten Konzerne sind Familiengesellschaften. „Bis sich eine Farmer-Familie in ihre Bücher schauen lässt, muss erst ein Generationswechsel stattfinden“, erklärt Gustavo Franco von der Investmentbank Rio Bravo Investimentos.

Doch langsam beginnt die Zurückhaltung der Konzerne vor dem Gang an die Börse einem neuen Interesse zu weichen. So kannten den brasilianischen Zuckerkonzern Cosan bis vor kurzem nur Branchenexperten. Das Familienunternehmen kaufte in den letzten Jahren stillschweigend eine brasilianische Plantage und Mühle nach der anderen auf. Inzwischen ist der Konzern der größte Zuckerexporteur der Welt. Mit 2,5 Millionen Tonnen Zucker produziert der Agrokonzern etwa halb so viel wie Südzucker, die Nummer Eins in Europa. Entsprechend selbstbewusst ist Cosan: Letztes Jahr ging der Konzern an die Börse, als weltweit erster Agrokonzern seit langem.

Der Erfolg Cosans dürfte bald Nachahmer finden. „Ich denke, dass rund ein halbes Dutzend brasilianische Zuckerkonzerne in den nächsten Jahren ihr Kapital an der Börse öffnen werden“, sagt Eduardo de Carvalho vom Verband der Zuckerindustrie in São Paulo.

Bis jedoch die Aktien südamerikanischer Agrokonzerne an der Börse als Standardwerte gehandelt werden, wird es noch eine Weile dauern: Unternehmen wie Investoren fürchten die typischen Preiszyklen der Agrargüter, der so genannten Soft-Commodities. „Die Weltmärkte für Agrargüter sind oft relativ klein im Vergleich zur produzierten Menge“, beobachtet Torsten Dennin, Portfolio-Manager der Deutschen Bank in Frankfurt, „wegen dieser geringen Marktgröße reagieren die Agrarpreise auf Veränderungen von Angebot und Nachfrage sehr volatil.“

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