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Anleger werden vorsichtiger

Schwellenländer stehen derzeit bei Investoren nicht sonderlich hoch im Kurs: Die Währungen und Aktienmärkte der Emerging Markets sind seit Frühjahr eingebrochen, und auch die Anleihen werden verkauft. Das weckt bei Anlegern böse Erinnerungen. Doch inzwischen scheint sich die Lage wieder zu entspannen.

FRANKFURT. Krisen um die Emerging Markets gab es schon zuhauf: Ende der neunziger Jahre die Asien- und die Russlandkrise und Ende 2001 den Zahlungsausfall Argentiniens. Ein Jahr später ließ dann das Platzen der weltweiten Aktienmarktblase die Anleger auch aus den Anleihen der Schwellenländer flüchten.

So schlimm wie es auf den ersten Blick scheint, ist die Lage aber diesmal nicht. Auslöser für den Verkauf der Schwellenländer-Bonds waren vor allem die Ängste der Investoren vor noch weiter deutlich steigenden Leit- und Kapitalmarktzinsen in den USA. Zum einen befürchten Anleger, dass die US-Notenbank Fed mit ihren Zinserhöhungen das globale Wirtschaftswachstum schwächen könnte. Zum anderen werden riskantere Anleihen wie die aus Schwellenländern unattraktiver, wenn es für von der Ausfallwahrscheinlichkeit her risikolose zehnjährige US-Staatsbonds wieder Renditen von aktuell um die 5,25 Prozent gibt.

Die Renditeabstände von auf Dollar lautenden Anleihen der Schwellenländer sind seit Mai im Vergleich zu US-Staatsanleihen um 0,60 auf 2,35 Prozentpunkte gestiegen. Damit – und das relativiert die These von einem Ausverkauf an den Bondmärkten – liegen sie aber immer noch knapp unter den Ständen vom Jahresanfang. Im Mai waren die Risikoprämien auf historische Tiefs gefallen. Der Markt für Dollar-Anleihen der Schwellenländer ist wesentlich größer als der für entsprechende Euro-Papiere.

Auch die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) betonte in ihrem jüngsten Quartalsbericht, dass das abrupte Ende der über drei Jahre dauernden Hausse der Emerging Market Bonds weniger auf eine veränderte Einschätzung der Fundamentaldaten der Schwellenländer zurückzuführen sei. Vielmehr habe die Risikoabneigung der Marktteilnehmer zugenommen.

Die fundamentale Verbesserung der Lage in vielen Emerging Markets zeigt sich an der dynamischen Wirtschaftsentwicklung. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet für die Emerging Markets in Asien mit einem Wachstum von 8,2 Prozent nach 8,5 Prozent im vergangenen Jahr. Für Südamerika erwartet er ein unverändertes Wachstum von 4,3 Prozent, und für Osteuropa rechnet der IWF mit einer Wachstumsbeschleunigung von 4,1 auf 4,6 Prozent.

„Die Schwellenländer als große Rohstoffexporteure werden voraussichtlich noch lange vom Superzyklus der Rohstoffmärkte profitieren“, ist auch Oliver Borgis, Leiter des Portfoliomanagements für Renten beim Vermögensverwalter Weberbank zuversichtlich. „Positiv ist dabei vor allem, dass erstmals viele Emerging Markets ihre Einnahmen von der Rohstoffseite nutzen, um ihre Staatsfinanzen zu konsolidieren und auch ihre Infrastruktur zu verbessern“, sagt er. Gleichwohl seien Anleihen der Schwellenländer – auch nach dem jüngsten Kursrückgang – noch zu teuer.

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