Handelsblatt Anleger-Akademie
Auf der Suche nach Orientierung

"Der Oktober ist ein besonders gefährlicher Monat, um mit Wertpapieren zu spekulieren", wusste schon der US-Schriftsteller Mark Twain. Und fügte hinzu: "Die anderen riskanten Monate sind Juli, Januar, September, April, November, Mai, März, Juni, Dezember, August und Februar."
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FRANKFURT/DÜSSELDORF. Wer kennt sie nicht - diese oder andere Bonmots der Börse. Die meisten dieser Leitsätze sind kurz, prägnant und leicht zu merken: "Gewinne laufen lassen, Verluste begrenzen", und "Buy the rumor, sell the fact" empfehlen zum Beispiel Handelsstrategien, der Tipp "Nicht alles auf eine Karte setzen" hingegen liefert Anleitungen zum Portfolioaufbau. Indem Börsenregeln komplexe Themen in eine knappe Formel pressen, dienen sie Anlegern als Handlungsempfehlungen und Orientierungshilfe - und heben sich von dem Fachchinesisch vieler Strategen ab.

Doch wieviel Wahrheit steckt in den Regeln aus wissenschaftlicher Sicht? Zehn Experten äußern sich in dieser Anleger-Akademie zu den zehn bekanntesten Börsenregeln (siehe unten). Fundierte Stellungnahmen tun Not: Schließlich widersprechen sich manche Regeln komplett - manch einer rät zum "Kaufen, wenn die Kanonen donnern" und postuliert, man solle sich "immer gegen die Masse der Anleger stellen". Dem halten Kritiker entgegen, man möge "nie in ein fallendes Messer greifen" und beachten: "The trend is your friend."

Anleger wollten den Unsicherheitsfaktor an der Börse in den Griff bekommen, sagt Joachim Goldberg vom Analysehaus Cognitrend. Regelmäßigkeiten zu erkennen, dem Auf und Ab der Kurse nicht komplett ausgeliefert sein zu wollen, sei ein menschliches Bedürfnis.

Manche Regeln können Anleger bereits mit gesundem Menschenverstand als Illusion entlarven. Dazu gehört beispielsweise die Super-Bowl-Theorie: Gewinnt ein Team aus der National Football Conference (NFC) die wichtigste Trophäe in diesem Sport, dann soll an der Wall Street ein freundliches Börsenjahr bevorstehen. Siegt der Vertreter der konkurrierenden American Football Conference (AFC), droht ein schlechtes Börsenjahr. Zwar war diese Theorie bis zur Jahrtausendwende erstaunlich treffsicher. Dennoch handelt es sich um zwei Trends, die ebenso viel miteinander zu tun haben wie die über einer Stadt kreisenden Störche mit der Zahl der Geburten.

Experten sprechen dann auch von Scheinkorrelationen, die sich in beliebiger Menge finden lassen, solange man nur lang und tief genug in den Zahlenwust der Kapitalmärkte eintaucht.

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