Handelsblatt Anleger-Akademie
„Der Dollar wird noch schwächer“

Carsten Fritsch ist Devisenanalyst bei der Commerbank. Im Interview spricht er über die Kursentwicklung des Dollars und Kreditgeschäften in Yen.

Handelsblatt: Sollte sich ein Investor, der Dollar-Aktien hält, gegen Währungsverluste absichern?

Carsten Fritsch: Unbedingt. Die Erholung des Dollars in den letzten Wochen dürfte eine Zwischenepisode bleiben. Der Markt rechnet auf Grund der gestiegenen Inflationsgefahren mit weiteren Zinserhöhungen der US-Notenbank. Wir erwarten aber, dass der Dollar wieder an Wert verliert. Der US-Immobilienmarkt, der bisher in starkem Maße für die gute Konjunktur verantwortlich war, kühlt sich bereits deutlich ab. Wenn sich eine eher skeptische Konjunktureinschätzung durchsetzt, werden auch nicht mehr so stark steigende Zinsen erwartet.

Wo wird der Euro zum Dollar in einem Jahr stehen?

Bis zum Jahresende dürfte der Euro-Kurs auf 1,30 Dollar steigen, bis Mitte nächsten Jahres dann weiter Richtung 1,35 Dollar.

Vielleicht kann man damit rechnen, dass sich bei einem schwächeren Dollar die Kurse amerikanischer Aktien besser entwickeln?

Teilweise schon, weil die Exporte dann besser laufen und die Gewinne in Dollar gerechnet steigen. Aber wenn die Abwertung von einer Konjunkturabschwächung ausgelöst wird, hat das auch negative Auswirkungen auf die Gewinnentwicklung. Außerdem kann es sogar noch einen verstärkenden Effekt geben. Wenn die Abwertung dazu führt, dass die ausländischen Anleger das Vertrauen in den Dollar verlieren, kaufen sie möglicherweise weniger US-Aktien und die Kurse sinken auch in Dollar gerechnet.

Viele Anleger haben in den letzten Jahren gut daran verdient, Kredite in Yen aufzunehmen. Könnte sich das auch in Zukunft lohnen?

Hier würde ich zur Vorsicht raten. Um auf diesen Zug aufzuspringen, es wohl zu spät. Bisher war der Yen besonders zum Euro recht schwach, aber das könnte sich ändern, wenn die japanische Zentralbank im dritten Quartal von ihrer Nullzinspolitik abrückt und den Zinserhöhungszyklus beginnt. Wir rechnen ab Juli damit. Wer solche Kreditgeschäfte in Yen noch laufen hat, sollte das genau beobachten und aufpassen, dass er rechtzeitig aussteigt. Beim Yen sehen wir unter den großen Währungen mit das größtes Aufwertungspotenzial.

Was heißt das konkret in Zahlen?

Wir sehen den Yen zum Jahresende bereits bei 137 je Euro gegenüber derzeit 146. In einem Jahr kostet der Euro nach unserer Prognose dann nur noch 135, und das Ende der Fahnenstange ist damit noch nicht erreicht. Wann die Aufwertungsbewegung beginnt, ist sehr schwer zu prognostizieren. Aber wenn es los geht, könnte es relativ schnell gehen, denn viele Anleger haben Leerverkäufe in Yen getätigt. Wenn der Yen drehen sollte, müssen sie sich eindecken und verstärken die Aufwärtsbewegung noch.

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