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Der Markt läuft heiß

Wer bei Tagesverlusten von zwei oder drei Prozent an den Aktienbörsen erschrickt, sollte von einem Engagement in den Industriemetallen besser die Finger lassen.

LONDON. Insbesondere der Kupferpreis schwankt stark – seit seinem Rekordhoch Mitte Mai büßt er an manchen Tagen an der Londoner Metallbörse zum Teil zehn Prozent ein, um sich dann ebenso schnell wieder zu erholen. „Derart extreme Preisausschläge sind in der Regel die Vorboten einer Rezession“, warnt Paul Meggyesi von JP Morgan. Wer jedoch in den vergangenen Jahren mit Rohstoffen gut verdient hat, dem dürfte es schwer fallen, an das Ende seiner Glückssträhne zu glauben. „Die Preise steigen weiter“, glaubt dagegen Konrad Aigner, Spezialist für Rohstoffe bei der Deutschen Bank.

Ein wichtiger Auslöser für den Beginn des Preisanstiegs war das dynamische Wachstum der chinesischen Volkswirtschaft. Der Nachfragesog aus dem Riesenreich traf auf ein eher begrenztes Angebot. Das lag auch daran, dass in den 80er- und 90er-Jahren im Minensektor kaum investiert worden war.

Da die Produktion von Metallen eine gewisse Vorlaufzeit benötigt – von der Entdeckung der Vorkommen bis zum Abbau in einer Mine vergehen mehrere Jahre – konnten die Produzenten nur zeitverzögert auf den für sie unerwarteten Nachfrageschub reagieren. In der Zwischenzeit sanken die Vorräte auf langjährige Tiefstände. Inzwischen hat China bei vielen Industriemetallen einen Anteil von gut 20 Prozent am weltweiten Verbrauch.

Mittlerweile warnen die ersten Experten wie etwa die Analysten der Société Générale (SocGen) vor einem Ende der Hausse. Vor allem Spekulationen hätten die Preise für Industriemetalle weit über das Niveau in die Höhe getrieben, „das auf der Grundlage des fundamentalen Verhältnisses zwischen Angebot und Nachfrage gerechtfertigt wäre“, meint Luc Pez, der Metallexperte der französischen Großbank. So notiere der Preis für Kupfer derzeit um etwa 115 Prozent über seinem fundamentalen Wert, der für Zink um fast 90 Prozent.

Nach einigen Schätzungen flossen in den letzten Jahren 130 Milliarden Dollar in den Rohstoffsektor. Die Gefahr, dass bei steigenden Zinsen und einer Verringerung der weltweiten Liquidität durch die Zentralbanken ein Teil dieser Gelder wieder abgezogen wird, ist laut Pez groß. Gegenüber Zins- und Liquiditätsentwicklungen seien die Rohstoffpreise erfahrungsgemäß anfälliger als andere Anlageformen.

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