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Dicke Schiffe im Depot

Kaum ein Index spiegelt den Wandel der deutschen Wirtschaft so gut wider wie der Deutsche Aktienindex, kurz Dax genannt. Die 30 größten börsennotierten Aktiengesellschaften Deutschlands haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert, von der Deutschland AG zur globalisierten Wirtschaftskraft.

DÜSSELDORF. Diesen Wandel haben die Konzerne innerhalb weniger Jahre vollzogen, das frühere Geflecht gegenseitiger Beteiligungen wurde nahezu komplett aufgelöst. „Die deutschen Unternehmen haben sich nach den Regeln des internationalen Kapitalmarktes ausgerichtet“, sagt Ulrich Hocker, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Damit seien Corporate Governance und die langfristige Wertsteigerung des Unternehmens zu zentralen Unternehmenszielen geworden – zur Freude der Anleger. „Die Unternehmensergebnisse, Ausschüttungen und Aktienkurse sind nicht mit der Zeit der Deutschland AG zu vergleichen, für die Aktionäre überwiegen klar die Vorteile“, sagt Hocker.

Diese Vorteile lassen sich in Zahlen ausdrücken: Vom Tiefpunkt im Jahr 2002 hat sich der Stand des Dax bis heute mehr als verdoppelt. Der Aktienkurs des Autozulieferers Continental kletterte in den vergangenen drei Jahren sogar sagenhafte 350 Prozent, während die Ex-Siemens-Tochter Infineon auf den gleichen Zeitraum gesehen mit fast 20 Prozent im Minus liegt.

Die Korrektur des vergangenen Monats hat dem steilen Anstieg des Dax zwar zunächst ein Ende gesetzt, sie wirkt sich aber auch positiv auf die Bewertungen der Unternehmen aus. Denn die Gewinne wachsen weiter kräftig: Im ersten Quartal dieses Jahres verdienten die Dax-Konzerne nach Steuern mit 15,4 Mrd. Euro ein Drittel mehr als im Quartal zuvor und deutlich mehr als erwartet.

Weil das Gewinnwachstum mit den Kurssteigerungen in den vergangenen Jahren Schritt halten konnte, sind die Aktien noch immer günstig bewertet. Das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis im Dax liegt bei knapp 14. Das ist im internationalen Vergleich immer noch günstig. Allerdings kann dieser Wert auch schnell steigen, sobald die Analysten ihre Gewinnschätzungen – aus denen das KGV berechnet wird – nach unten korrigieren. Solange die Unternehmen aber weiter mit hervorragenden Zahlen aufwarten, wird das kaum passieren.

Trotzdem gehen fast alle Experten davon aus, dass die Zeit der scharfen Kursanstiege vorerst vorbei ist. Alexandra Hartmann, die bei Fidelity unter anderem den 1,7 Mrd. Euro schweren German Fund managt, rechnet für dieses Jahr mit einem Zuwachs von null bis fünf Prozent beim Dax. „Nach drei Jahren Kursanstieg ist eine Verschnaufpause gut, um die Bewertung der Aktien auf gesunde Füße zu stellen“, sagt sie.

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