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Gut gepolstert an die Börse

Für einige Anleger war der Kurssturz an den Aktienmärkten seit Anfang Mai der erste „Unfall“ in ihrem Depot seit dem Beginn der Börsen-Hausse Anfang 2003. Innerhalb weniger Wochen fiel der Deutsche Aktienindex um rund 850 Punkte zurück, ehe eine vorsichtige Erholung einsetzte. Solche Unfälle können Anleger nicht vermeiden, wohl aber die folgenden „Verletzungen“ in ihrem Depot.

DÜSSELDORF. „So wie Airbags Autofahrer bei Unfällen vor Verletzungen schützen, so mindern Zertifikate mit eingebautem Polster die Verluste der Anleger bei Kursrückschlägen", sagt Martin Stötzel, Vorstand der Vermögensverwaltung Rhein Asset Management AG in Düsseldorf. (Siehe „Für jeden Anlegertyp geeignet“).

Einen Teilschutz vor Kursverlusten bieten unter anderem Discount-, Bonus und Airbag-Produkte, die Anleger je nach persönlicher Risikoneigung mit hohem oder niedrigem Polster auswählen können. Anders als Garantiezertifikate, die zum Laufzeitende die Rückzahlung des investierten Kapitals garantieren, bieten diese Papiere oft zudem noch attraktivere Renditen.

„Bei den heftigen Kursverlusten deutscher Aktien im Mai und Juni hat man gesehen, wie wichtig ein ausreichend großer Risikopuffer bei Discount- und Bonuszertifikaten ist“, sagt Heiko Weyand, Derivate-Experte bei HSBC Trinkaus & Burkhardt. „Gerade zu Zeiten erneut gestiegener Unsicherheiten an den Aktienmärkten können Risikopuffer ihre Wirkung entfalten.“

Die Nachfrage nach Zertifikaten mit Puffer ist ungebrochen. Laut Statistik des Dachverbandes Deutsches Derivate Institut (DDI) stieg der Umsatz mit Discount-, Bonus- und anderen Teilschutzprodukten allein im Mai um 0,8 Mrd. Euro auf 3,03 Mrd. Euro. In diesen Zahlen sind zwar auch Verkäufe enthalten. „Doch alleine dadurch lassen sich die hohen Umsätze nicht erklären“, meint Petra Becher, Derivate-Expertin bei der UBS und DDI-Vorstandsmitglied. „Die Erkenntnis, dass sich mit Anlagezertifikaten in verschiedenen Marktphasen die eigene Erwartung effizient umsetzen lässt und drohende Verluste minimiert oder gar vermieden werden können, verbreitet sich zunehmend.“

Eine wichtige Entscheidungsgrundlage für die Auswahl eines Zertifikates mit Sicherheitspolster ist die erwartete Volatilität (Schwankungsbreite) des Marktes. Sie ist beim Dax seit Anfang Mai rasant gestiegen. Die Schwankungsbreite ergibt sich rechnerisch aus den Preisen von Optionen. Erwarten Marktteilnehmer stärkere Schwankungen, verlangen die Verkäufer von Optionen höhere Prämien. Diese Optionen sind auch in Teilschutzprodukten enthalten.

So ist nach Meinung von Experten der Kauf von Bonuszertifikaten dann sinnvoll, wenn die Volatilitäten hoch sind und die Kurse niedrig. In solchen Phasen können diese Produkte ihre Stärken ausspielen. Sie bieten auf einem niedrigen Kursniveau noch einen komfortablen Schutz, ansprechende Renditen für den Fall, dass sich die Kurse nicht so schnell erholen und eine unbegrenzte Partizipation an den Kursaufschwüngen, die früher oder später kommen. Je größer das Sicherheitsbedürfnis ist, desto mehr müssen Anleger Abstriche bei der Rendite machen.

In der aktuellen Börsensituation mit gestiegenen Volatilitäten favorisieren viele Experten Discountzertifikate. Je höher die erwartete Volatilität ist, desto größer ist der Discount und damit der Sicherheitspuffer für den Anleger. Ein Vergleich zwischen einem Bonus- und Discountprodukt auf den Euro Stoxx 50 verdeutlicht das. Derzeit sind bei einem Jahr Laufzeit Discounts von gut 20 Prozent und Renditen von rund sieben Prozent jährlich erreichbar – auch wenn der Index um mehr als zehn Prozent fällt. Der Puffer bei einem Bonuszertifikat mit vergleichbarer Renditechance liegt aktuell bei rund 25 Prozent. „Doch sollten die Kurse weiter fallen, dann ist das Polster schnell weg“, meint Stötzel. Dann drohen Kursverluste von 25 Prozent, während bei einem Discountzertifikat in einem solchen Szenario das eingesetzte Kapital fast vollständig erhalten bliebe.

Optimistischere Anleger können nach Einschätzung von Stötzel zu „Discountern“ mit einer zweijähriger Laufzeit greifen. Diese Produkte ermöglichen bei einem Abschlag von rund zehn Prozent eine maximale Rendite von gut 15 Prozent jährlich.

Jürgen Röder
Jürgen Röder
Handelsblatt / Redakteur Finanzzeitung
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