Handelsblatt Anleger-Akademie
Profi-Strategien mit Tücken

Wenn an den Aktienmärkten die Kurse fallen, behalten professionelle Derivatehändler oft einen kühlen Kopf. Mit bestimmten Strategien können die Anlageprofis ihre Portfolios wetterfest machen. Seit wenigen Jahren verpacken Investmentbanken solche Strategien auch für Privatanleger: In Deutschland vor allem in Form von Zertifikaten.

DÜSSELDORF. Entwickelt haben sich die Papiere aus dem Markt für Optionsscheine, wo vor allem Zocker das schnelle Geld suchen. Heute ist diese riskanteste Form der Derivate für Privatanleger nur ein Extrem in einer sehr breiten Palette strukturierter Finanzprodukte. Sie reicht von hochspekulativen Turbopapieren, die das Risiko eines Totalverlustes besitzen, über Zertifikate auf konservative, solide Basiswerte wie zum Beispiel deutsche Standardaktien und Bundesanleihen bis hin zu vergleichsweise sicheren Garantiezertifikaten, die zum Laufzeitende zumindest den Kapitaleinsatz des Anlegers zu 100 Prozent absichern.

Abgesehen von Indexzertifikaten, die genau den Kurs eines bestimmten Basiswerts nachzeichnen, bestehen Zertifikate aus der Kombination von mindestens zwei Wertpapiergeschäften. Meist ist dies ein Aktien- beziehungsweise Anleihekauf, der mit einem bestimmten Optionsgeschäft kombiniert wird.

Dadurch kann der Anleger seinem Investment mit dem Kauf des Zertifikats gegenüber der Direktanlage neues Profil geben, bei dem die Bewegungen des Basiswerts abgeschwächt oder gar verstärkt werden. Mit einem Discountzertifikat zum Beispiel ist es möglich, etwa eine Aktie billiger als über die Börse zu erwerben, dafür sind Gewinnchancen von vornherein begrenzt.

Wie sich einzelne Zertifikate während der Laufzeit verhalten ist, allerdings für Anleger ohne Kenntnisse in Optionstheorie nur schwer zu verstehen. Denn vor allem die Kursbewegungen der im Zertifikat enthaltenen Optionen sind nicht nur vom Kurs des Zertifikate-Basiswerts abhängig, sondern auch von dessen Schwankungsintensität (Volatilität), vom Zinsniveau und der Restlaufzeit (siehe Tabelle). So kann es passieren, dass der Kurs eines Bonuszertifikats fällt, obwohl die zugrunde liegende Aktie steigt. Das passiert zum Beispiel, wenn die Volatilität stark sinkt und damit die im Zertifikat enthaltene Optionskomponente an Wert verliert. Zwar reagiert der Optionspreis auch auf die Kursveränderung der Aktie, je nach Situation kann der Volatilitätseffekt aber stärker ausfallen.

Schon allein das komplizierte Laufzeitverhalten macht es für Anleger schwierig, Zertifikate aktiv zu handeln, von den Kosten ganz abgesehen. Daher sollten die Positionen in der Regel bis zur Fälligkeit gehalten werden. Als Beimischung im Depot können die Papiere dann das Gesamtrisiko vermindern. Bei einem Discountzertifikat zum Beispiel bildet der Rabatt auf den aktuellen Börsenkurs der Aktie ein Sicherheitspuffer gegen Kursverluste. Dieser Puffer greift dann, wenn die Zertifikate fällig werden.

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