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Schöne, gefährliche Ideen

Glaubt man der Zertifikate-Industrie, dann gibt es an der Börse fast nur Gewinner. Immer wieder entdecken die Emittenten – Banken und Wertpapierhandelshäuser – neue Super-Trends an den Märkten und schnüren dazu passende Aktienpakete zusammen.

DÜSSELDORF. Das Ergebnis ist dann eines der etlichen Themenzertifikate, die mittlerweile zur Verfügung stehen. Doch gerade die Flut an neuen Papieren sollte Anleger zur Vorsicht mahnen. Denn „echte“ Trends sind schwierig zu finden. Einfacher gestrickte Alternativen bieten da oftmals die besseren Chancen.

Kaum ein Thema geht heute noch an der Zertifikate-Industrie vorbei. Egal ob erneuerbare Energien, Rohstoffe oder eben die Fußball-WM: Für fast alles, was die Menschen interessiert, bieten die Emittenten die passenden Produkte an. Das Konzept dahinter ist eigentlich immer dasselbe: Die Bank sucht sich einen Korb aus Aktien oder Rohstoffen zusammen, die von diesem Trend profitieren sollten. Mit nur einem Zertifikat kann der Anleger dann von der Entwicklung dieser Basiswerte profitieren.

Doch so einfach ist das nicht. „Die wirklich Erfolg versprechenden Trends zu finden, ist die größte Herausforderung“, sagt Matthias Wesseling, Leiter der Kölner Niederlassung von Delbrück Bethmann Maffei (siehe „Der richtige Mix ist entscheidend“). Kritiker werfen der Branche daher vor, die Themen eher nach Marketinggesichtspunkten als nach Kurschancen auszusuchen. „Gerade bei Modethemen wie beispielsweise der Fußball-WM sind wir sehr vorsichtig“, sagt Gerald Kichler, Leiter Portfoliomanagement bei der Vermögensverwaltung Flossbach & von Storch.

Experten raten daher dazu, Themenzertifikate vor allem nur als Beimischung ins Depot zu legen und nicht zu stark zu gewichten. Dann können sie ihre Vorteile ausspielen, ohne dass das Risiko zu groß wird.

„Wer von einem Trend wirklich überzeugt ist, kann durchaus zu einem passenden Themenzertifikat greifen“, sagt beispielsweise Sebastian Bleser, Zertifikate-Experte bei der Société Générale. Dabei sollte er aber darauf achten, dass die Gebühren im Rahmen bleiben, die enthaltenen Basiswerte neuen Entwicklungen angepasst werden und ständig die Entwicklung des Papiers zu überwachen, rät er. Die Société Générale arbeitet daher bei der Titelauswahl mit einem unabhängigen Schweizer Vermögensverwalter zusammen und überprüft die Basiswerte spätestens alle drei Monate. Dann aber sind Themenzertifikate eine gute Möglichkeit, mit kleinem Einsatz eine ganze Branche oder ein Investmentthema abzubilden.

Eine andere Möglichkeit ist es, das Geld in Strategiezertifikate zu investieren. Diese wählen die Basiswerte nach fundamentalen Kennzahlen wie beispielsweise der Eigenkapitalausstattung oder mit Unterstützung spezieller Filter aus (siehe „Strategien für Spezialisten“). Oftmals sind hierbei nicht Fondsmanager, sondern Computerprogramme am Zug.

Der Vorteil dieser Papiere soll nach Angaben der Emittenten sein, dass sie die Emotionen komplett ausschalten und allein anhand fundamentaler Daten über die Auswahl der Basiswerte entscheiden. Bisher variiert der Erfolg dieser Produkte stark. So wurden in den vergangenen Jahren vor allem Produkte mit Saisonansatz nachgefragt. Diese investieren an historisch betrachtet günstigen Tagen das Kapital am Aktienmarkt, in der restlichen Zeit wird das Geld in risikoarmen Produkten geparkt.

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