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Warten auf die Wende

Große Aktien aus Europa sind in den vergangenen Wochen kräftig gefallen. Dennoch gelten die Blue-Chips als Favoriten.

DÜSSELDORF. Eigentlich hätte 2006 für europäische Schwergewichte ein gutes Jahr werden sollen. Die Aktien galten im Vergleich zu amerikanischen und japanischen Titeln Ende des vergangenen Jahres als günstig bewertet, die Unternehmensgewinne stiegen kräftig, und die Dividendenrenditen konnten sich durchaus sehen lassen. Von einer herben Enttäuschung blieben die Anleger dennoch nicht verschont. Durchhalten ist jetzt die Devise – das sagen die meisten Experten.

Zwar glückte der Start ins neue Jahr, immerhin legte beispielsweise der Euro Stoxx 50 allein in den ersten fünf Monaten fast zehn Prozent zu. Danach kam jedoch das böse Erwachen. Angetrieben von den Inflationsängsten und steigenden Zinsen gerieten auch die europäischen Blue-Chips unter Druck. In den vergangenen sechs Wochen fiel der Euro Stoxx 50 von 3 600 auf 3 350 Punkte – und notiert damit sogar wieder unter dem Wert vom Jahresanfang. Auch sein Index-Bruder, der Stoxx 50 (siehe „Multinationale Märkte“), zeigt einen ähnlichen Verlauf.

Seit einigen Tagen pendeln die europäischen Leitindizes nun um diese Werte. Unter den Anlegern macht sich neue Hoffnung breit, und auch die meisten Experten gehen davon aus, dass das Warten auf eine erneute Wende bald ein Ende haben wird. „Noch im laufenden Monat sollten wir in Europa einen Boden gefunden haben“, sagt beispielsweise Alfred Roelli, oberster Aktienstratege der Schweizer Privatbank Pictet. Seine Prognose: Das dritte Quartal wird für die Märkte noch etwas schwieriger werden und von hoher Schwankungsbreite (Volatilität) geprägt sein. Gegen Ende des Jahres dürften sich die immer noch guten grundlegenden ökonomischen Daten aber wieder durchsetzen und den europäischen Schwergewichten auch an der Börse wieder Auftrieb geben.

Und mit dieser Meinung steht er nicht alleine da. „Die Märkte in Europa sollten sich bald wieder beruhigen“, sagt auch Berndt Fernow, Aktienstratege bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Und dann gebe es auch wieder „Luft nach oben“. „Nicht nur das fundamentale Umfeld stimmt“, sagt Fernow. Entscheidend sei auch, dass die durch Zins- und Inflationsängste hervorgerufenen Kurseinbrüche in den zurückliegenden Wochen übertrieben gewesen seien.

Immer wieder stehen in den Analysen hinsichtlich der europäischen Schwergewichte die – auch im Vergleich zu Aktien aus anderen Regionen – guten fundamentalen Daten im Mittelpunkt. Und das zu Recht: Denn immerhin sind auch im vergangenen Jahr die Gewinne und Umsätze der europäischen Unternehmen wieder schneller angestiegen als die der börsennotierten Konzerne in den USA. Im Durchschnitt kletterte unter den 500 größten europäischen Blue-Chips der Gewinn um über 40 Prozent. Und dieser Trend soll auch im kommenden Jahr anhalten. Ganz vorne auf der Liste der Unternehmen mit hohen Gewinnzuwächsen standen dabei die Ölgesellschaften, gefolgt von der Chemie- und Finanzbranche.

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