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„Immer nur so gut wie das Modell“

„Gerade institutionelle Anleger sind sehr stark an diesem Konzept interessiert, weil sie keine großen Schwankungen haben wollen“, sagt Werner Hedrich. Im Interview spricht der Leiter Research bei Morningstar Deutschland über Chancen und Risiken des quantitativen Ansatzes.

Handelsblatt: Sind Fonds mit einem quantitativen Ansatz im Kommen?

Werner Hedrich: Die Anzahl der Anbieter, die eine auf Computerauswahl basierende Strategie verfolgen, ist vergleichsweise konstant. Aber es fließt mehr Geld in ihre Fonds, weil Anleger sehen, dass dieses Konzept Erfolg hat. Für Privatinvestoren weniger sichtbar ist die starke Nachfrage der institutionellen Anleger. Die haben gesehen, dass einige Fonds schon über längere Zeit besser als der Durchschnitt abgeschnitten haben, bei einem gut vertretbaren Risiko. Das hatte eine gewisse Signalwirkung. Gerade institutionelle Anleger sind sehr stark an diesem Konzept interessiert, weil sie keine großen Schwankungen haben wollen.

Dann haben diese Fonds also generell eine besonders gute Entwicklung?

Die Produkte, die schon längere Zeit auf dem Markt sind, haben es besonders in den vergangenen Jahren geschafft, regelmäßig den Index zu schlagen. Das liegt auch daran, dass ihre Manager meistens einen Value-Ansatz fahren, also systematisch nach besonders preisgünstigen Aktien suchen. Dazu bietet sich der Computer geradezu an, weil er mehr Aktien und Kennzahlen verarbeiten kann als der Mensch. Wir haben eine Marktphase, in der gerade dieser Anlagestil besonders erfolgreich ist. Angenommen, wir kommen wieder in eine Phase, in der vor allem Wachstumswerte das Rennen machen, dann verlieren die quantitativ gemanagten Fonds schnell ihre Spitzenposition.

So etwas wie den Solarwerte-Boom verpassen diese quantitativen Fonds also?

So ist es. Wenn die Solaraktien den TecDax um 30 Prozent nach oben jagen, wie das in jüngster Zeit geschehen ist, dann geht das an den meisten quantitativ gemanagten Fonds vorbei. Sie werden kaum einen finden, der Solaraktien im Portfolio hat.

Was ist, wenn das Modell systematische Fehler hat?

Das ist genau das Problem. Der quantitativ gemanagte Fonds ist immer nur so gut wie das zu Grunde liegende Modell. Wenn die Manager es nicht schaffen, die richtigen Schwerpunkte zu setzen und danach die richtigen Schlüsse aus den vorhandenen Informationen zu ziehen, dann verschwindet der Fonds rasch wieder vom Markt. Anleger sollten nach Fonds Ausschau halten, die schon eine längere Erfolgsgeschichte haben. Drei Jahre sind das Minimum, noch besser sind fünf Jahre.

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