Handelsblatt Anlegerakademie
Reise in die Welt der Zwerge

Die Nanotechnik beschäftigt sich mit mikrokopisch kleinen Partikeln und gilt als die Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts. Für Anleger eröffnen sich große Chancen und Risiken.

FRANKFURT. Fenster, die sich abdunkeln, wenn die Sonne draufscheint – die Sonnenstrahlen in Strom umwandeln und sich bei Bedarf in Bildschirme verwandeln. Das klingt wie Science Fiction? Dank der Nanotechnik könnte es so etwas bald schon geben.

Abgeleitet aus dem Altgriechischen („Nannos“, der Zwerg) bezeichnet „Nano-“ das Milliardstel einer Einheit. Ein Nanometer ist also ein Milliardstel Meter. Nanotechnik arbeitet mit Partikeln, die 50 000 Mal kleiner sind als der Durchmesser eines Haares. Der Clou: Diese Teilchen haben spezielle Eigenschaften. Forscher nutzen dieses Phänomen, indem sie Materialien mit Nanopartikeln so manipulieren, dass der Werkstoff neue Eigenschaften bekommt: Bereits heute gibt es Schutzschichten, die Autobleche und Brillengläser vor dem Zerkratzen bewahren, die Kalk und Fingerabdrücke von Edelstahlarmaturen und Waschbecken fern halten, die in Babywindeln zusätzliche Feuchtigkeit aufnehmen, in Sonnencremes das schädliche UV-Licht schlucken oder Autoreifen festen Halt auf der Straße geben.

Noch stecken diese Anwendungstechnik und ihre kommerzielle Nutzung in den Kinderschuhen, ihr Potenzial gilt aber als gewaltig: Bundesforschungsministerin Annette Schavan hält sie für „eine der chancenreichsten Querschnittstechnologien der Welt“. Im Jahr 2015 dürfte fast jede Industriebranche von Nano-Anwendungen durchdrungen sein, erwartet auch Wolfgang Luther vom Technologiezentrum Düsseldorf. Allerdings ist heute noch nicht abschließend geklärt, ob und wenn ja welche Risiken von Nanopartikeln ausgehen, die beispielsweise über die Luft eingeatmet werden oder in die Blutbahn gelangen.

Weltweit sind nur knapp 200 reine Nanotechnologieunternehmen börsennotiert. Die meisten von ihnen kommen aus den USA, Japan und Deutschland. Daneben gibt es die großen multinationalen Unternehmen, die sich innerhalb ihres Konzerns auch mit nanotechnischen Anwendungen beschäftigen – aber das ist nur ein Bruchteil ihres Geschäfts. Einer Studie der Deutschen Bank zufolge beträgt das Marktvolumen von Nanoprodukten derzeit etwa 100 Mrd. Dollar. Hier zu Lande sind laut Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) etwa 600 Unternehmen mit der Entwicklung, Anwendung und dem Vertrieb nanotechnischer Produkte befasst. Daran hängen etwa 50 000 Arbeitsplätze.

Über gezielte Aktienkäufe, Fonds oder Zertifikate können auch Privatanleger in die Nanotechnik investieren. Doch Vorsicht: Dass mit dieser Technik tatsächlich Geld verdient wird, muss sich in vielen Fällen erst noch zeigen. Es handelt sich also um hochriskante, extrem schwankungsanfällige Investments für nervenstarke, mittel- bis langfristig orientierte Anleger.

„Der noch junge Markt bringt viele Chancen, weil sich die Unternehmen rasch und überproportional entwickeln können“, sagt Finanzanalystin Katja Lindenlaub von der Nanostart AG. Das ist ein Unternehmen, das Fonds bei der Anlageentscheidung in Nano-Aktien berät und sich auch selbst an nichtbörsennotierten Nanofirmen beteiligt. „Es kann natürlich auch passieren, dass das Geschäftsmodell eines Unternehmens nicht trägt“, gibt Lindenlaub zu bedenken.

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