Hans-Jörg Naumer
„Ein Sparplan diszipliniert den Anleger“

„Der CAE zwingt zum Sparen, das ist gut für die Zukunftssicherung“, sagt Hans-Jörg Naumer. Im Interview spricht der Leiter der Kapitalmarkt-Analyse bei Allianz Global Investors über die Grenzen des Cost-Average-Effekts und zeigt die Konsequenzen für Privatanleger auf.
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Handelsblatt: Der Cost-Average-Effekt gilt als einer der prominentesten Denkfehler in der Investmentbranche. Sehen Sie das auch so?

Hans-Jörg Naumer: Eigentlich nicht. Die Aussage des Cost-Average-Effektes (CAE) lautet schlicht, dass Anleger zu einem festen Betrag bei hohen Kursen weniger Fondsanteile und bei niedrigen Kursen mehr Fondsanteile kaufen. Das ist doch klar und nachvollziehbar. Der Denkfehler passiert erst, wenn mit dem CAE eine Zauberformel verbunden werden soll, etwa dass der CAE über lange Zeiträume zwangsläufig höhere Renditen bringt und das Anlagerisiko nahezu ausschaltet.

Worin liegen die Vorteile des CAE?

Der CAE glättet die Kaufkurse und hat darüber hinaus einen stark disziplinierenden Effekt: Da er mit einem Sparplan verbunden ist, zwingt er zum Sparen, das ist gut für die Zukunftssicherung. Nach dem Motto „Spare in der Zeit, dann hast Du in der Not“ hilft er darüber hinaus, den Zeitfaktor zu nutzen. Außerdem ist er bequem und löst die Angstblockade, sich überhaupt am Aktienmarkt zu engagieren.

Was leistet der CAE, und wo stößt er an seine Grenzen?

Je länger ich spare, desto höher ist meine Gewissheit, dass am Ende eine positive Rendite dabei herauskommt. Denn der CAE wirkt über die Zeit. Man darf ihn aber nicht überstrapazieren: Vor einer längeren Phase fallender Märkte, wie wir sie zwischen den Jahren 2000 bis 2003 erlebt haben, bietet auch der CAE keinen Schutz. Der Effekt kann das Risiko schwankender Märkte nur glätten, aber nicht ausschalten. Auch die Risiken einer Aktienanlage bleiben bestehen.

Welche Alternativen dazu haben Anleger?

Neben der Preismethode – also CAE – bei der sie immer den gleichen Betrag einzahlen und dafür unterschiedliche Mengen Fondsanteile erhalten, gibt es noch die so genannte Mengenmethode. Dabei erwirbt man immer die gleiche Menge Fondsanteile zu verschiedenen Preisen. Die dritte Möglichkeit ist der geschickt gewählte Zeitpunkt einer Einmalanlage. Unsere Untersuchungen und Beispielrechnungen haben gezeigt, dass unter Renditegesichtspunkten die Preismethode sowohl der Mengenmethode als auch dem sogenannten Timing überlegen ist. Das Timing ist keine wirkliche Alternative. Diese Methode würde voraussetzen, dass der Anleger den gesamten Sparbetrag bereits besitzt und je nach Marktphase Teile davon investiert. Das lässt sich aber nicht mit einem Sparplan vergleichen, der den Durchschnittskosteneffekt nutzt.

Welche Konsequenzen ergeben sich für Privatanleger?

Fürs Alter sollten Anleger heute schon das sparen, was sie können, denn ein Ansparsparprozess über einen längeren Zeitraum ist in jedem Fall vorteilhaft. Da zum Ende der Ansparphase ungewollte Kursrutsche nicht ausgeschlossen werden können, empfiehlt sich eine Umschichtung in Anleihen und später dann in den Geldmarkt, wenn das Kapital zur Verfügung stehen soll. Sogenannte Lebenszyklusfonds reduzieren mit der Zeit automatisch den Aktienanteil zugunsten des Rentenanteils, um das Risiko der Kursschwankungen abzufedern.

Quelle: Heike Herbertz
Petra Hoffknecht
Handelsblatt / Redakteurin

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