Hans-Jürgen Klisch
„Eigene Meinung immer wieder hinterfragen“

Hans-Jürgen Klisch ist Geschäftsführer von Raymond James in Deutschland. Im Interview mit dem Handelsblatt sprach er über die Erfolgsgeheimnisse von Querdenkern, sogenannten "Contrarians", über deren besondere Fähigkeiten und deren Chancen für die Zukunft.
  • 0

Handelsblatt: Über welche besonderen Fähigkeiten muss ein Contrarian verfügen?

Hans-Jürgen Klisch: Notwendig ist ein historisches Grundverständnis. Obwohl sich Geschichte nicht wiederholt, ähneln sich menschliche Verhaltensweisen in bestimmten Zyklen. Erfolgreiche Contrarian hinterfragen ihre Meinung immer wieder. Sie haben die Fähigkeit, ihr Bild von der Zukunft sich verändernden Grundlagen anzupassen.

An welchen Signalen erkennen Contrarians nachhaltige Trendwenden an den Finanzmärkten?

Zum Beispiel daran, dass ein Thema in der breiten Öffentlichkeit übergewichtet wird. Dies ist derzeit bei Gold der Fall. Über viele Jahre hinweg wollten Medien und Anleger von dieser Anlageklasse nichts wissen. Das ist jetzt anders, so dass sich bereits ein gewisser Hype gebildet hat. Hier gilt es also vorsichtig zu sein.

Sie lagen zuletzt mit gewagten Dollar-Prognosen richtig. Wie sehen Sie den Dollar heute?

Heute ist beim Dollar noch keine Contrarian-Strategie angesagt. Aber die gesamtwirtschaftliche Lage der USA ist, verglichen mit Europa, besser als hierzulande geglaubt wird. Kurzfristig kann der Dollar verlieren - längerfristig wird er gewinnen.

Als Contrarian waren sie einer von drei Experten, die Ende 2008 den "Club der Börsenoptimisten" gründeten. Wie sehen Sie die Börsensituation heute?

Der Club hat weiter nur drei Mitglieder, weil wir spätere Aufnahme-Anträge abgelehnt haben. Mein grundlegender Optimismus zu Aktien hat sich nicht geändert. Die große Frage ist, ob die Weltwirtschaft nach Auslaufen der massiven Regierungshilfen einen selbsttragenden Aufschwung hinlegen kann. Die Antwort ist noch offen.

Wo bestehen heute Chancen für einen Contrarian?

Die Öffentlichkeit nimmt die Peak-Oil-Theory - die Erschöpfung der Weltölreserven - nicht ernst. Energie ist unterbewertet. Die Klimadiskussion geht zudem in eine gefährliche Richtung. Seriöse Wissenschaftler sagen, die Erderwärmung habe eine Pause eingelegt. Durch falsche Weichenstellungen könnten einige Konzerne in große Nöte kommen.

Kommentare zu " Hans-Jürgen Klisch: „Eigene Meinung immer wieder hinterfragen“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%