Helma Sick
„Ein gesunder Egoismus greift um sich“

„Ein langer Ruhestand will finanziert und abgesichert sein“, sagt Helma Sick. Im Interview spricht die Inhaberin des Unternehmens frau & geld darüber, wie sich die Einstellung älterer Frauen zum Vermögen geändert hat und welche Produkte für die Generation „50 plus“ interessant sind.
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Handelsblatt: In der Finanzbranche spielt die Zielgruppe der älteren Anlegerinnen und Anleger eine immer größere Rolle. Wie erklären Sie sich das?

Helma Sick: Im Jahr 2033 wird nahezu jeder zweite Bundesbürger älter als 50 Jahre sein. Der Grund: Die steigende Lebenserwartung und rückläufige Geburtenzahlen. Ich finde es deshalb wirklich sehr interessant, dass die Finanzbranche erst jetzt so richtig zur Kenntnis nimmt, wie viele ältere Menschen es gibt. Und dass nicht alle krank, pflegebedürftig und arm sind. Immerhin verfügen die über 55-Jährigen über ein Vermögen von 4,8 Billionen Euro. Über 300 Milliarden Euro geben ältere Menschen in Deutschland pro Jahr aus. Ein langer Ruhestand will finanziert und abgesichert sein. Für die Finanzbranche also eine interessante Zielgruppe.

Gibt es Unterschiede zwischen älteren Frauen und älteren Männern, die Beratungsbedarf haben? Beobachten Sie geschlechtsspezifische Anliegen oder Fragen, die jeweils im Mittelpunkt stehen?

Das kann ich so nicht feststellen. Eine erfreuliche Veränderung aber sehe ich: Noch vor zehn Jahren etwa wollten viele Frauen ihr Geld unbedingt ihren Kindern vererben, auch wenn ihre eigene Rente nicht gerade üppig ausfiel. Mittlerweile ist zum Glück ein gesunder Egoismus fest zu stellen: Best Ager kümmern sich nach einem arbeitsreichen Leben erst einmal um sich selbst, wollen ihr Leben genießen und dazu auch ihr Geld ausgeben. Hedonismus statt Bescheidenheit ist also angesagt.

Nun entwickeln Versicherer und Banken spezielle Produkte für die Zielgruppe „50 plus“. Was halten Sie davon?

Sehr wichtig finde ich Pflegezusatzversicherungen. 70 Prozent der Frauen überleben ja ihre Männer! Sinnvoll können auch Senioren-Unfallversicherungen sein, da viele Standard-Unfallversicherungen mit 75 Jahren enden oder nur mit Einschränkungen weiter geführt werden. Nicht sinnvoll finde ich dagegen Sterbegeldversicherungen. Das Geld ist in einem Fondssparplan oder in anderen Wertpapieren besser untergebracht. Grundsätzlich aber muss es keine speziellen Geldanlagen für ältere Menschen geben. Unter den vielen guten Angeboten, die auf dem Markt sind, gibt es für jedes Alter und jede Risikoneigung das passende Produkt.

Welche Anforderungen stellt die ältere Kundschaft an eine Finanzberatung?

Die Beratung älterer Menschen ist anspruchsvoll und sollte ganzheitlich angelegt sein. Wie kann das notwendige Einkommen für eine unter Umständen noch lange Lebensphase sichergestellt werden? Was mache ich mit meiner selbst genutzten Immobilie und einer zu kleinen Rente? Muss oder soll Geld vererbt werden? Wie kann das Vermögen in der Substanz erhalten werden? Das sind nur einige der Fragen, die diese Altersgruppe bewegen. Neben fachlicher Kompetenz müssen Berater auch über Lebenserfahrung und soziale Kompetenz verfügen. Denn in der Beratung wird ja auch über sensible Themen gesprochen – beispielsweise über Krankheit und die Angst vor Pflegebedürftigkeit, über alte Eltern und über Kinder, die vielleicht nicht immer den Lebensweg gehen, den die Eltern gedacht hatten.

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