Indien
Der Boom ist noch nicht zu Ende

Die Kursstürze an den Aktienbörsen der Schwellenländer haben Indien in den vergangenen Wochen besonders hart getroffen. Seit dem Höchststand Anfang Mai verloren indische Standardaktien im Schnitt gut ein Fünftel ihres Werts. Und doch sind die Analysten auf lange Sicht optimistisch.

DELHI. Indien hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Liebling von Schwellenländer-Anlegern entwickelt. Dank massiver Zuflüsse aus dem Ausland verdoppelten sich Bombays Börsenstände innerhalb von zwei Jahren. Und langfristig zählt Indien weiter zu den attraktivsten Emerging Markets, auch wenn Analysten kurzfristig weitere Verlusten nicht ausschließen wollen.

„Es könnten noch schwere Monate bevorstehen“, sagt Markus Rösgen, für Indien wie für alle asiatischen Märkte. Der Asienstratege der Citigroup in Hongkong macht als Belastungsfaktoren die Erwartung steigender Zinsen in den USA sowie hohe Rohstoffpreise aus.

Alleine 2005 waren elf Milliarden Dollar Anlagekapital aus dem Ausland an Indiens Börsen geflossen – ein Rekord. Von Januar bis Mai waren fünf Milliarden hinzugekommen. Davon haben internationale Fondsgesellschaften laut Börsenaufsicht inzwischen jedoch die Hälfte wieder abgezogen. Sollten sich die globalen Portfolioströme stärker zugunsten sicherer Anlageformen verändern, bliebe Indien besonders verwundbar. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von im Schnitt 17 machen das Land weiterhin zum teuersten Markt in Asien. „Bei diesen Bewertungen fällt es schwer, positiv zu sein“, meint Rösgen. Anleger, die rechtzeitig eingestiegen sind, könnten noch immer versucht sein, Gewinne mitzunehmen.

Indiens Wirtschaftsboom, der die Anleger-Phantasie lange beflügelte, ist vom Börsengeschehen kaum betroffen. Seit 2003 wächst die Wirtschaft des Landes mit der zweitgrößten Bevölkerung der Welt im Schnitt um acht Prozent, für dieses Jahr rechnen Volkswirte mit einer ähnlich starken Expansion. Die Hälfte der 1,1 Milliarden Inder sind jünger als 18 Jahre, eine große Mittelschicht entsteht, und die Urbanisierung macht Fortschritte. Das fördert stetiges, starkes Konsumwachstum. Indiens Binnenwirtschaft blüht: Bautätigkeit und Unternehmensinvestitionen ziehen an. Zudem genießen die Firmen in vielen Bereichen globale Wettbewerbsvorteile und erobern im Ausland Marktanteile.

An der Spitze des Trends stehen bekannte Informationstechnik-Dienstleister wie TCS, Infosys, Wipro und Satyam. Sie profitieren vom Hang westlicher Konzerne, Arbeit in Billiglohnländer zu verlagern. Aber auch Pharmafirmen wie Ranbaxy, Dr. Reddy's oder Cipla, Maschinenbauer wie Larsen & Toubro und Autozulieferer wie Bharat Forge nutzen Indiens Standortvorteil.

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