Indizes
Auf der Suche nach der Zauberformel

"Dow Bergstresser Jones sinkt um zwei Prozent" oder "Jones Bergstresser Dow 50 auf Jahrestief" - Börsenschlagzeilen von heute könnten durchaus so lauten. Allein der Bescheidenheit des Charles M. Bergstresser ist es zu verdanken, dass Anlegern diese und andere Wortungeheuer erspart bleiben. Eine Reise zu den Anfängen der Indexwelt.

DÜSSELDORF. Im Jahre 1884 ermöglicht der damals 25-jährige Finanzier Charles M. Bergstresser seinen Co-Partnern Charles Dow und Edward Jones den zunächst wenig profitablen Betrieb des auf der New Yorker Wall Street vertriebenen Börsenblättchens "Afternoon Letter". Um ihren Lesern schon am Nachmittag einen schnellen Überblick über die damals hoch gehandelten Eisenbahnaktien zu bieten, erfanden die drei Börsenreporter 1884 den Transportation-Index. Bergstresser zog es vor, im Hintergrund zu bleiben, und das Trio nannte den elf Aktien umfassenden Index kurzerhand Dow Jones Transportation.

Dem ersten echten Aktienindex folgte erst zwölf Jahre später der wohl bekannteste Index der Welt, der Dow Jones Industrials. Letzterer erfüllt trotz einer heute antiquierten Berechnungsmethode bis heute seinen Zweck: Er liefert einen schnellen Überblick, wie es um den Aktienmarkt bestellt ist.

Aus den zwei Ur-Indizes ist inzwischen ein echtes Index-Universum erwachsen, das täglich wächst. So kennen viele Anleger den Deutschen Aktienindex Dax, der am 1. Juli dieses Jahres seinen 20. Geburtstag feierte. Inzwischen ist die Dax-Indexfamilie auf insgesamt 783 Subindizes angewachsen. Der Datenanbieter Bloomberg listet über 70 000 Indizes, doch auch das ist nur ein Ausschnitt. "Einschließlich aller Unterindizes berechnen wir pro Tag über 100 000 Indizes", sagt etwa Dave Guarino, Sprecher von Standard & Poor?s.

Indizes bilden heute die Kursentwicklung nicht nur von Aktien, sondern auch von Anleihen, Rohstoffen, Immobilien und alternativen Anlageklassen ab. "Sie erfüllen inzwischen über die Orientierung hinaus zwei fundamentale Ansprüche von Anlegern: Sie ermöglichen eine genaue Leistungsmessung und dienen über entsprechende Produkte selbst als Anlagevehikel", erläutert Werner Buerki, Vorsitzender des Aufsichtsrats des Indexanbieters Stoxx. Indizes machen aber nicht nur die Leistung von Managern transparent.

Die Überlegung, über einen Indexfonds (ETF) gleich einen ganzen Index zu kaufen, erscheint heute vor dem Hintergrund der weltweit 1 500 Indexfonds mit einem verwalteten Vermögen von 500 Mrd. Euro trivial. Doch jahrzehntelang erschien es kaum vorstellbar, dass sich Anleger schlicht mit dem Durchschnitt eines Marktes zufrieden geben könnten. Erst 1975 gründete John Bogle den ersten Indexfonds in den USA, in Deutschland tauchten Anfang der 90er-Jahre die ersten Indexzertifikate und erst 1998 Indexfonds auf.

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