Indizes
Trügerische Messlatten

Indizes sind Instrumente, um Erfolg zu messen und Portfolios zu steuern. Doch sie sind nicht in allen Segmenten gleich hilfreich. So nutzen Immobilien-Vermögensverwalter Indizes eher zögerlich bei ihrer täglichen Arbeit.

DÜSSELDORF. Für Manager von Wertpapiervermögen gehören sie zum täglichen Handwerkszeug. Schneidet ein Verwalter etwa mit seinem Aktienportfolio schlechter ab als der als Messlatte gewählte Index, weiß er, dass er die falschen Aktien gekauft hat und kann gegensteuern. Um wie viel besser oder schlechter er als die Benchmark ist, bekommt er börsentäglich vor Augen geführt.

So gut haben es die Manager von Immobilienvermögen nicht. Ihre Indizes werden häufig nur einmal im Jahr angepasst und basieren womöglich auf Werten, die noch älter sind. Ein weiterer wesentlicher Unterschied: Viele Indizes basieren nicht auf am Markt gebildeten Preisen, sondern auf Bewertungen durch Gutachter. Dass in Immobilienindizes Werte statt Preise einfließen liegt daran, dass auf dem Immobilienmarkt wesentlich weniger Besitzerwechsel stattfinden als auf Wertpapiermärkten.

Entsprechend zögerlich nutzen Immobilien-Vermögensverwalter Indizes bei ihrer täglichen Arbeit. So spielen Immobilienindizes bei der Commerz Real keine Rolle. Die Commerzbank-Tochter, die mit dem Hausinvest Europa den größten offenen Immobilienfonds in Deutschland anbietet, richtet sich bei ihren Anlageentscheidungen nach internen und extern zugekauften Marktanalysen und Gutachten über die Einzelobjekte.

Anders bei der SEB Asset Management. Hier geht der Deutsche Immobilien Index (Dix) regelmäßig in die Arbeit mit ein. "Der Dix ist eine Messlatte für unser Asset- Management", sagt Carolina von Groddeck, Leiterin der Strategieabteilung. Das SEB-Team prüft, wie das eigene Portfolio in der Vergangenheit gegenüber dem Dix abgeschnitten hat. Bei Kauf- oder Verkaufsentscheidungen seien Bewegungen im Dix jedoch irrelevant. Indexkomponenten würden lediglich genutzt, um das eigene Handeln zu überprüfen. Stelle ein Manager etwa fest, dass sowohl die Kosten als auch die Mieterträge unter dem Durchschnitt liegen, dann werde er sich fragen, ob er nicht mit mehr Managementaufwand höhere Mieterträge erreichen kann. In den Dix fließen auch die Daten des eigenen offenen Immobilienfonds SEB Immo Invest ein.

Viele Fondsmanager würden sich transaktionsbasierte Indizes wünschen, um näher am Marktgeschehen zu sein. Doch solch ein Index hätte oft nur begrenzte Aussagekraft. Derzeit ist der Markt auf Verkäufe angewiesen: Im ersten Halbjahr 2008 wechselten auf dem deutschen Gewerbeimmobilienmarkt nicht einmal halb so viele Gebäude den Besitzer wie im Vorjahreszeitraum. Die Ergebnisse wären nicht vergleichbar. Auf einem umsatzlosen Teilmarkt wäre gar überhaupt kein Indexwert zu ermitteln.

Ein auf Bewertungen basierender Index ist dagegen unabhängig vom Investmentmarkt, denn er nutzt Daten für Bestandsimmobilien.

Seite 1:

Trügerische Messlatten

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%