Inflationsgefahr: So schützen Edelmetalle vor Wertverfall

Inflationsgefahr
So schützen Edelmetalle vor Wertverfall

Die Inflationsangst geht um unter Anlegern. Weil sie den Wertverfall von Papiergeld befürchten, flüchten sie in die Hartwährung Gold. Neben der Münze gibt es auch indirekte Anlageformen. Doch welche ist die beste?
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FrankfurtDas Gespenst der Inflation geht um in Deutschland. An den Tankstellen ärgern sich Autofahrer über steigende Spritpreise. Der Liter Diesel kostet mit 1,47 Euro so viel wie zuletzt 2008. In vielen Supermärkten verteuerte sich Kaffee mit dem Jahresanfang um mehr als zehn Prozent. Die Rohstoffpreise erklimmen fast täglich neue Rekordstände und eine große deutsche Bank geht mit Plakaten auf Kundenfang, auf denen steht: „Wie rette ich mein Geld vor der Inflation?“ Wenn die gefürchtete Preisspirale nach oben einsetzt, sollten Anleger rechtzeitig handeln, um ihr Vermögen zu schützen. Das Handelsblatt beleuchtet in den nächsten Wochen Strategien und Chancen in den unterschiedlichen Anlageklassen: von Edelmetallen, über Aktien, Anleihen, Zertifikaten bis hin zu Immobilien.

Die Inflationsangst kommt nicht von ungefähr. In Deutschland kletterte das Preisniveau im Januar im Vergleich zum Vorjahresmonat um zwei Prozent – der größte Anstieg seit Oktober 2008. „Das ist erst mal nur die Rückkehr zur Normalität“, sagt Stefan Mütze, Volkswirt bei der Helaba. Seiner Ansicht nach dürfte sich das Wachstum mittelfristig verlangsamen. „Sinken die Energiekosten, weil die Nachfrage sinkt oder das Angebot steigt, fällt auch das allgemeine Preisniveau.“ Thomas Mayer, Chefvolkswirt bei der Deutschen Bank hält dagegen. Ein Anstieg der Inflation auf vier Prozent sei möglich. Die Notenbanken müssten gegensteuern, aber angesichts der andauernden Staatsschuldenkrise könnten sie eine straffere Geldpolitik hinauszögern.

Am Goldmarkt werden die Sorgen offensichtlich. Nach einem Rückgang zu Jahresbeginn um sieben Prozent kletterte der Preis je Feinunze inzwischen auf 1 377 Dollar. „Die Angst vor Inflation lässt die Nachfrage nach Gold wieder steigen“, sagt Eugen Weinberg, Rohstoffanalyst bei der Commerzbank. Edelmetalle gelten als sichere Häfen, wenn Papiergeld an Wert verliert. So bilden im Hedgefonds des Starinvestors George Soros Anteile an Goldfonds die größte Einzelposition. Die Vorzüge liegen auf der Hand: Edelmetalle sind nicht beliebig vermehrbar. Wenn die Realzinsen negativ sind, bieten Edelmetalle Kapitalerhalt. „In der Vergangenheit hat sich Gold in diesen Zeiten besonders gut entwickelt“, sagt Weinberg. Es ist außerdem im Vergleich zu Silber, Platin oder Paladium das liquideste Metall – es kann jederzeit weltweit gehandelt werden, als Zahlungsmittel eingesetzt oder in eine Papierwährung eingetauscht werden. „Damit ist Gold das beste Edelmetall, um sich vor Inflation zu schützen“, sagt Martin Siegel von Stabilitas.

„Solange die großen Notenbanken die Zinsen nicht anheben, wird der Goldpreis weiter steigen“, sagt Analyst Weinberg. Die Nachfrage werde derzeit vor allem durch den Bedarf in Asien und die Notenbanken der Schwellenländer getrieben. Beim Silberpreis spielt dagegen auch der Bedarf aus dem industriellen Sektor eine entscheidende Rolle. Ebenso wegen des aktuellen Aufschwungs steigt der Preis. Anleger, die in Gold oder Silber investieren möchten, können Münzen oder Barren am Bankschalter kaufen und diese zum Beispiel im Bankschließfach lagern.

Keine Wetten auf den Goldpreis

Wer sich um die Lagerung nicht kümmern will, kann auch über Zertifikate, sogenannte „Exchange-Traded Commodities“ (ETC) in Rohstoffe investieren. Hier kauft der Anleger eine Schuldverschreibung, dessen Wertentwicklung an den Rohstoffpreis gekoppelt ist. Wichtig ist, dass es sich um ein besichertes Zertifikat handelt, dass heißt, dass der Emittent mit dem Geld der Anleger den Rohstoff tatsächlich kauft und einlagert. Nur dann haben die Anleger im Fall einer Pleite des Emittenten Anrecht auf ihren Anteil. Mit Optionen und speziellen Zertifikaten können Anleger auf eine bestimmte Preisentwicklung wetten und überproportional profitieren, aber auch verlieren. „Diese Varianten sind jedoch reine Spekulation und eignen sich nicht zur Inflationsabsicherung“, sagt Siegel.

Eine indirekte Form, in Edelmetalle zu investieren, bieten Aktien von Minenbetreibern. Steigen die Metallpreise, profitiert der Anleger über höhere Dividenden. Doch bei ganz großen Krisen nutzt auch Gold nur wenig: „Wenn infolge von Kriegen oder Naturkatastrophen die Menschen durch eine Hyperinflation von Armut bedroht sind und ihre Goldersparnisse schnell auflösen, wird der Preis fallen“, sagt Siegel. Dann hilft eben doch eher ein eigener Bauernhof.

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  • Bei diesem Artikel ist schon die Überschrift falsch.
    Wieso schützen EM vor Preisverfall?
    Im Artikel geht es dann um Inflation, also Preissteigerungen und die kann auch Silber oder Goldbesitz nicht verhindern, sondern lediglich evtl. vorhandenes Vermögen gegen Entwertung schützen.
    Sehr lustig ist der Satz zum Schluss, das wenn alle in einer Hyperinflation ihre EM verkaufen würden die Preise fallen.
    Sie werden schwanken, aber fallen werden erst nach einer Währungsreform oder wenn die Inflationsperiode sich dem Ende zuneigt.

  • Wenn es wirklich crashed dann werfen alle ihr Gold auf den Markt. Und dann? Kann man Gold essen? Kann man damit heizen? Kann man darin wohnen? Oder die Krise ist irgendwann vorbei. Und dann? Auch dann wollen alle ihr Gold verkaufen. In beiden Fällen wird der Goldpreis ins Bodenlose fallen. Ich halte mehr von Betongold. Noch wertbeständiger ist Ackerland.

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