Interview
Janwillem Acket: „Der sichere Ruf gilt noch immer“

Janwillem Acket ist Chefökonom bei der Schweizer Privatbank Julius Bär. Im Interview mit dem Handelsblatt erklärt der Banker welche Bedeutung die so genannten "carry-trades" für die Kursentwicklung des Franken haben und warum es die vergangenen Jahre mit der Währung der Eidgenossen auf und ab ging.
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Herr Acket, ist der Schweizer Franken immer noch ein sicherer Hafen in stürmischen Zeiten?

Der Ruf gilt noch immer. Weder die niedrigen Zinsen noch die Interventionsdrohungen der Nationalbank haben daran etwas geändert.

Glauben Sie, dass die Notenbank ihre Drohung wahrmacht und in den Devisenmarkt eingreift?

Ja, absolut. Die Nationalbank fackelt nicht lange. Sie hat bislang virtuos auf ihrer geldpolitischen Klaviatur gespielt.

Welche Bedeutung spielen die sogenannten „carry trades“ für die Kursentwicklung des Frankens?

Sie haben seit Mitte 2006 eine sehr große Rolle gespielt. Seit Anfang vergangenen Jahres werden die Positionen jedoch aufgelöst und haben zu einer Neuaufwertung des Frankens beigetragen.

Im vergangenen Jahr ging es mit der Schweizer Währung auf und ab. Woran lag das?

Wir haben nach der Pleite von Lehman Brothers einen regelrechten Währungsschock erlitten. Innerhalb von wenigen Tagen sank der Wechselkurs zum Euro von 1,64 auf 1,44 Franken.

Wie steht der Franken im Vergleich zu anderen Währungen da?

Wer Ruhe und Stabilität sucht, ist mit dem Schweizer Fran-ken immer noch gut bedient. Der Euro steht auf Grund der wahrscheinlichen Zinssenkungen durch die EZB immer noch unter Druck. Und auch der Dollar dürfte durch die geldpolitische Lockerung der US-Notenbank eher schwächer werden.

Werden die Devisenmärkte sich normalisieren, wenn die Finanzkrise einmal vorbei ist?

Die Normalisierung der Märkte ist die schwierigste Aufgabe überhaupt für die Notenbanken. Das kann man nicht in kleinen Schritten machen. Ich vermute, dass damit eine Zeit großer Schwankungen ein-hergehen wird. Auch die Währungen werden dann kräftig durchgeschüttelt.

Die Fragen stellte Torsten Riecke.

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