Interview
Sándor Richter: „Wir brauchen strukturelle Reformen“

Sándor Richter ist seit 1990 Senior Economist beim Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche. Im Interview mit dem Handelsblatt erklärt der gebürtige Ungar was derzeit mit dem Forint geschieht und welche Folgen das für die ungarische Wirtschaft hat.
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Herr Richter, was passiert derzeit mir dem Forint?

Keine Frage, er ist sehr schwach. Dieses Mal allerdings bewegt er sich zusammen mit anderen Währungen Osteuropas abwärts. Deshalb kann man nicht sagen, das sei allein ein ungarisches Problem.

Was sind die Folgen für die ungarische Wirtschaft?

Für die kleinen mittelständischen Exporteure im Land ist das ein kleines Unterstützungsprogramm, weil ihre Preise in Fremdwährung niedriger ausfallen. Private Haushalte haben aber ein echtes Problem. Sie können sich nicht wie Unternehmen gegen Wechselkursschwankungen absichern. Zumal Fremdwährungskredite in Ungarn sehr verbreitet sind. Dadurch können am Ende auch die Banken in Schwierigkeiten geraten.

Kann denn die Regierung helfen?

Da ist nicht viel zu erwarten. Wegen der angespannten Haushaltslage kann der Staat kaum etwas machen. Nach dem milliardenschweren Hilfspaket vom Herbst wacht der Internationale Währungsfonds darüber, dass das Defizit nicht ins Uferlose wächst.

Wäre der Euro eine Hilfe?

Im Moment ist die Lage zu unsicher. Wenn sich die Situation stabilisieren sollte, könnte die Regierung ein Datum für den geplanten Beitritt festsetzen. Ungarn hat in den vergangenen Jahren wegen seiner hohen Verschuldung international viel an Glaubwürdigkeit verloren. Mit dem Euro kann es also nur etwas werden, wenn die Beitrittskriterien wirklich dauerhaft stimmen.

Ist die Politik in Ungarn jetzt auf dem richtigen Weg?

Inzwischen hat die Politik verstanden, was zu tun ist und unpopuläre Maßnahmen getroffen. Die Zeiten hoher Defizite sind vorüber. Aber jetzt ist die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise dazwischengekommen. Jetzt helfen nur noch strukturelle Reformen beim Staatsbudget, die Regierung muss die Ausgaben dauerhaft senken. Der Spielraum dafür bleibt eng, die Krise ist schon zu weit vorangeschritten.

Die Fragen stellte Stefan Menzel.

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