Investieren in Osteuropa
Baltikum glänzt mit enormem Boom

Kaum von einer breiteren Öffentlichkeit bemerkt, haben die Aktienmärkte in den baltischen Ländern Estland, Lettland und Litauen in den vergangenen Jahren wahre Rendite-Rekorde hingelegt. Doch die allgemeine Unruhe an den Finanzmärkten ist auch an den kleinen Handelsplätzen in den drei baltischen Staaten nicht spurlos vorbeigegangen.
  • 0

STOCKHOLM. In den vergangenen drei Jahren ist die Börse im estnischen Tallinn um 152 Prozent gestiegen, Riga legte 123 Prozent zu, und Vilnius kam sogar auf ein Plus von 154 Prozent. Ein enormer Nachholbedarf nach fast sechs Jahrzehnten unter sowjetischer Okkupation treibt bis heute die wirtschaftliche Entwicklung der Länder. Seit Mai 2004 sind die drei Staaten zudem Mitglieder der Europäischen Union, was ihnen noch einmal einen Wachstumsschub gegeben hat.

Doch die allgemeine Unruhe an den Finanzmärkten ist auch an den kleinen Handelsplätzen in den drei baltischen Staaten nicht spurlos vorbeigegangen. Besonders betroffen war die Börse in Tallinn, die seit Jahresbeginn nur noch um gut vier Prozent zulegte. Etwas besser erging es Riga (plus 15 Prozent) und Vilnius (plus zwölf Prozent). Ein Grund für das deutlich verlangsamte Wachstum sind neben der globalen Entwicklung auch die immer deutlicher zutage tretenden Überhitzungstendenzen der kleinen Volkswirtschaften.

Vor allem in Estland und Lettland herrscht ein akuter Mangel an Fachkräften, der sich bereits negativ auf den Investitionswillen ausländischer Unternehmen ausgewirkt hat. Angelockt von deutlich höheren Löhnen zieht es vor allem junge Leute nach England und Irland, die ihren Arbeitsmarkt auch für die neuen EU-Mitglieder geöffnet haben. Um überhaupt noch Mitarbeiter halten zu können, waren Unternehmen in Estland und Lettland zu Lohnerhöhungen von mehr als 20 Prozent gezwungen. Eine hohe Inflationsrate hat ebenfalls dazu geführt, dass die für 2008 angepeilte Euro-Einführung bis auf weiteres verschoben werden musste.

Dennoch sagen die Ökonomen der nordeuropäischen Bank Nordea allen drei Ländern Wachstumsraten von 6,5 bis 8,5 Prozent auch im kommenden Jahr voraus. Die Aufholjagd zu den alten EU-Mitgliedern sei noch längst nicht abgeschlossen, die Binnennachfrage werde auf längere Zeit noch sehr stark bleiben. Besonders profitieren dabei der Einzelhandel und Unternehmen aus dem Service- und Dienstleistungssektor.

Experten raten von direkten Aktieninvestitionen auf den kleinen und deshalb auch volatilen Märkten ab. Besser seien Fonds-Anlagen. Zu den größten Osteuropa-Spezialisten gehört die schwedische Fondsgesellschaft East Capital. Deren bereits 1998 gegründeter Baltikum-Fonds legte in diesem Jahr 10,9 Prozent zu, konnte in den vergangenen Jahren sogar mit jährlichen Renditen von über 40 Prozent glänzen. East Capitals größtes Investment in den baltischen Staaten ist das deutsch-norwegische Banken-Joint-Venture DnB Nord. Auch der litauische Telekom-Konzern Teo und die estnische Einzelhandelskette Tallinna Kaubamaja gehören zu den Kern-Investments.

Für Privatanleger ist der Handel mit baltischen Aktien über die schwedische OMX möglich, die auch die Börsen in Helsinki, Reykjavik, Tallinn, Riga und Vilnius betreibt. Der OMX Baltic 10-Index enthält die wichtigsten Aktien aus Estland, Lettland und Litauen.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent

Kommentare zu " Investieren in Osteuropa: Baltikum glänzt mit enormem Boom"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%