Investieren in Rohstoffe
Edelmetalle steuern auf Rekordkurs

Platin ist so teuer wie nie zuvor, Gold steuert auf die alten Rekordmarken von 1980 zu und selbst Silber konnte zuletzt Boden gutmachen. Edelmetalle sind begehrt wie seit Jahren nicht mehr – und vieles spricht dafür, dass sich dieser Trend auch im nächsten Jahr fortsetzt. Dabei unterliegen die Preise zum Teil ganz unterschiedlichen Einflussfaktoren.
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KAPSTADT. Die jüngsten Preissprünge sprechen eine deutliche Sprache: Gold hat am New Yorker Terminmarkt erstmals seit Januar 1980 die psychologisch wichtige Marke von 800 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) überwunden; Platin notierte mit bis zu 1 465 Dollar auf einem Allzeit-Hoch. Selbst der Silberpreis konnte zuletzt Boden gutmachen und schnellte mit bis zu 14,45 Dollar auf den besten Stand in acht Monaten.

Die Ursachen für die Preissteigerungen sind allerdings unterschiedlich. Besonders verblüffend ist der Anstieg des Goldpreises, nachdem das Edelmetall zuvor monatelang in einer Spanne um 650 Dollar dümpelte. Für den Ausbruch gibt es zwei Ursachen: Zum einen den schwachen Dollar, der sich traditionell in entgegengesetzter Richtung zum Goldpreis bewegt, zum anderen die Sorgen der Anleger über die möglichen Folgen der US-Immobilienkrise (Subprime) auf das internationale Finanzsystem. Beide stehen in direktem Zusammenhang. Ein Teil des spekulativ angelegten Geldes, das in Hochzinsanleihen und strukturierte Finanzinstrumente geflossen war, sucht nun nach neuen, weniger risikoträchtigen Anlageformen. Und mehr als alles andere gilt Gold noch immer als festes Bollwerk gegen einen schwachen Dollar.

Seine Sonderstellung erklärt sich damit, dass Gold seit jeher ein untypischer Rohstoff ist: Anders als etwa Öl hat das Edelmetall wenig praktischen Nutzen, wird kaum industriell verwendet wird und leidet deshalb weniger stark unter Verknappungsängsten. Letztere haben die Preise fast aller anderen Rohstoffe getrieben. Gold bleibt zudem im Umlauf, zumeist in Form von Schmuck. Es ist wertbeständig und gilt daher als eine Art Ersatzwährung. „Gold ist noch immer der einzige Rohstoff, der wie Geld eingesetzt werden kann“, sagt Bergbauspezialist Graham Birch vom Fondsmanager Blackrock Merrill in London. Aus diesem Grund eigne es sich vorzüglich zur Diversifikation.

Goldguru Martin Murenbeeld hat den Angriff des Goldes auf die alte Rekord–Marke von 850 Dollar bereits seit längerem prophezeit. Der Chefökonom der Dundee Group ist überzeugt, dass die Notenbanken alles tun werden, um eine Rezession in den USA abzuwenden, selbst wenn die Folgen ein Anstieg der Inflation wären. „Eine Zunahme der Geldmenge, eine Flut billiger Dollar und niedrigere Zinsen wie sie sich nun abzeichnen, beflügeln den Goldpreis, weil die Realverzinsung von Spareinlagen dadurch in Gefahr gerät“, meint Murenbeeld.

Es gibt weitere Gründe, die für einen Anstieg der Edelmetalle sprechen. So hat die Schmucknachfrage in Asien zuletzt markant angezogen, vor allem in jenen Staaten des Mittleren Ostens, die traditionell viel Gold – und zunehmend auch Platin – kaufen. Zudem beginnt in Indien, einem der größten Goldabnehmer, nach dem Monsun nun die Hochzeitssaison. Schmuck ist noch immer für etwa 80 Prozent der physischen Goldnachfrage verantwortlich; nur knapp 20 Prozent entfallen auf die Industrie. Gleichzeitig stagniert die Minenproduktion, vor allem beim langjährigen Hauptförderer Südafrika.

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