Investieren in Südasien
Anleger bauen auf Indien

In den 60er-Jahren pilgerten die Beatles nach Indien, um spirituelle Erleuchtung zu finden – heute machen sich europäische Anleger auf den gleichen Weg, um von der boomenden indischen Wirtschaft zu profitieren. Das Land der heiligen Kuh und Computerchips gilt als spannendster Markt der Region. Experten gefällt vor allem die geringe Abhängigkeit vom US-Markt.
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STUTTGART. Die Wachstumsraten sind vielversprechend: Im vergangenen Quartal etwa stieg das indische Bruttoinlandsprodukt zum sechsten Mal in Folge um rund neun Prozent. Der Durchschnittszuwachs in den vergangenen vier Jahren liegt auf ähnlich starkem Niveau. Und die Experten erwarten, dass es auch in den nächsten Jahren mit solchen Riesenschritten vorangeht.

Kein Wunder also, dass ausländische Geldgeber im vergangenen Jahr Investitionen im zweistelligen Milliardenbereich in Indien tätigten. Fondsmanagern gilt das Land der heiligen Kühe und Computerchips als spannendster Markt der Region, die Geldanlage in Schwellenländern allgemein sogar als „größte Investment-Geschichte unserer Zeit“. Die Besonderheit an Indien: Anders als in anderen Ländern läuft die Wirtschaft unabhängig von der amerikanischen und auch der chinesischen Konjunktur Damit ist es weniger anfällig für Schwankungen infolge von Problemen an anderen Schauplätzen – wie etwa der jüngsten Immobilienkrise in den USA. „Es spricht einiges dafür, dort zu investieren, wo der Markt nicht von der US-Wirtschaft abhängig ist“, sagt Eric Leve, Vizemanager des Anlagefonds Highmark International Opportunities. Denn auch in Indien selbst brummt die Nachfrage, und das verfügbare Einkommen der mehr als eine Milliarde starken Bevölkerung soll weiter steigen. „Die Landwirtschaft hatte bisher ein gutes Jahr, und wir erwarten einen Multiplikatoreneffekt auf andere Wirtschaftsbereiche“, erwartet auch Asienexperte Tushar Poddar von Goldman Sachs. „Obwohl die Agrarindustrie nur knapp ein Fünftel zum Bruttoinlandsprodukt beiträgt, sind mehr als 60 Prozent aller Inder in der Landwirtschaft beschäftigt. Deshalb sollte ihr Einkommen und auch die Nachfrage auf dem Land wachsen.“ Doch auch andere Länder der Region stehen auf der Wunschliste vieler westlicher Investoren. Diese fühlen sich offenbar inzwischen wohler bei dem Gedanken, ihr Geld in Regionen anzulegen, die vor wenigen Jahren noch als zu riskant, undurchschaubar und exotisch erschienen. „Die Leute gewöhnen sich langsam an die Besonderheiten der Schwellenländer“ und die damit verbundenen Risiken, sagt Analyst Jeff Tjornehoj vom Fondsberater Lipper. „Die konstanten Einnahmen sind einfach verführerisch.“ Mit etwas Übung und Fingerspitzengefühl kann es dann fast selbstverständlich werden, auch Faktoren wie die jährliche Monsunsaison in die Investmentstrategien einzubeziehen – wie in diesem Frühling, als der Regen kräftiger ausfiel als erwartet und damit dank einer reichen Ernte die Inflation in Schach halten sollte, erklärt Poddar. Außer Indien gelten Thailand, Indonesien und Malaysia als beachtenswerte Optionen in Südasien. In Indonesien etwa läuft die Börse ihren westlichen Gegenstücken seit längerem davon. Der Aktienindex steigt fast unaufhaltsam, das Bruttoinlandsprodukt wuchs seit Anfang 2000 im Schnitt um fünf Prozent. Wirtschaftsforscher erwarten, dass die Volkswirtschaft in den kommenden Jahrzehnten europäische Länder wie etwa Italien überholen wird und dann zu den größten Wirtschaftsnationen der Welt zählt.

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