Investment Auto
Kuriose Geldanlage, Baujahr 1959

Warum der Tod Enzo Ferraris die Preise gedrückt hat und die Rennwagen aus der ehemaligen DDR heute so wertvoll sind: Wer sein Geld in Oldtimer anlegen will, darf sich nicht auf sein Autowissen verlassen, sondern muss den Markt ganz genau kennen.
  • 0

FRANKFURT. Für Tobias Aichele ist es die perfekte Geldanlage: Mit dem Kauf eines Oldtimers verbindet er nicht nur eine interessante Renditeperspektive, sondern auch jede Menge Spaß. „Das ist das Optimum“, sagt der selbstständige Veranstaltungsmanager nicht ohne Stolz. Investments am Aktienmarkt sind für den Oldtimer-Enthusiasten schlicht „emotionslos“. Der Börsenatmosphäre zieht er einen Ausflug mit einem seiner betagten, aber wunderschönen Karossen in jedem Fall vor. Das ist Aicheles Welt. Seine Oldtimer-Karriere begann mit einem Triumph TR 3 und einem Volvo P 1800.

Die Begeisterung für Oldtimer wächst stetig. Der Blick auf den Markt spricht hier eine eindeutige Sprache. So werden auf Deutschlands-Oldtimer-Markt jährlich rund 4,6 Milliarden Euro umgesetzt. Dafür sorgen die 25 000 Beschäftigten in den 2 300 Firmen des „Gewerbes“. Rund 275 Millionen Euro werden davon alleine mit Privatverkäufen von Oldtimern umgesetzt. Prachtexemplare dieser Gattung sind derzeit auf der Essener Motorshow zu bewundern, die diesen im „Classic“-Bereich der Messe eine gewichtige Stellung einräumt.

Die überwiegende Zahl der 500 000 in Deutschland zugelassenen Oldtimer hat lediglich einen Wert von 15 000 Euro. Im Gegensatz hierzu müssen „Anleger“ in gut erhaltene Modelle wie zum Beispiel den Heckflossen-Mercedes 220 SE, einen Käfer oder einen Alfa Spider zwischen 20 000 und 100 000 Euro investieren – dass sich die Fahrzeuge in einem Top-Zustand befinden müssen, versteht sich von selbst. Wer als Oldtimer-Investor am Markt agieren möchte, sollte sich schon in dieser Preisliga bewegen, sagt Marcus Keller. Der 40-jährige Diplom-Kaufmann ist Oldtimer-Experte bei Leaseconcept, einem Düsseldorfer Unternehmen, das sich auf das Leasing von Oldtimern spezialisiert hat. Doch auch wer teuer „einkauft“, darf sich nicht auf der sicheren Seite fühlen. „Eine kurzfristige, zweistellige Rendite ist selten zu realisieren“, sagt Keller. Vor allem dann, wenn sich der Käufer für ein kostspieliges und seltenes Fahrzeug entschieden habe. „Der muss warten können“, meint der Oldtimer-Experte. In Erinnerung ist ihm die Spekulationsblase in den 90er Jahren, als Enzo Ferrari starb. Die Investoren stürzten sich seinerzeit auf Modelle von Ferrari, die Preise stiegen rasant, um dann ebenso rasant wieder einzubrechen. „Viele Spekulanten und Händler glaubten damals, dass alte Autos Kunstwerke seien, deren Wert nach dem Ableben des Maestros nun in exorbitante Höhen steigen würden“, sagt Keller. Das Gegenteil war der Fall.

Seite 1:

Kuriose Geldanlage, Baujahr 1959

Seite 2:

Seite 3:

Kommentare zu " Investment Auto: Kuriose Geldanlage, Baujahr 1959"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%