Jörg Weber
„Gut überlegen und nichts überstürzen“

In Zukunft werden Erneuerbare Energien „noch konkurrenzfähiger“ werden, sagt Jörg Weber. Der Herausgeber des Online-Magazins Ecoreporter.de spricht im Interview über die Chancen Erneuerbarer Energien als Finanzanlage und warnt vor schwarzen Schafen.
  • 0

Handelsblatt: Was macht Erneuerbare Energien interessant als Finanzanlage?

Jörg Weber: Einerseits die Erkenntnis, dass die Wirtschaft den Klimawandel ernst nehmen muss: Erneuerbare Energien gelten als eine Lösung für dieses Problem. Die Branche hat enorme Zuwachsraten, und viele Unternehmen verdienen mittlerweile seht gut. Andererseits steigt der Bedarf an konventionellen Energien, vor allem Chinas Erdöl-Nachfrage. Gleichzeitig gelten aber die konventionellen Vorräte als begrenzt, die Preise steigen also – und damit werden Erneuerbare Energien noch konkurrenzfähiger.

Wie riskant ist eine Geldanlage in diesem Bereich?

Wir sehen derzeit vor allem vier Risiken: Erstens können auch innerhalb einer boomenden Branche einzelne Unternehmen, in die ein Anleger investiert, schlechte Ergebnisse erwirtschaften. Zweitens können sich gesetzgeberische Änderungen für manche Sparten als problematisch erweisen, die Biogas-Branche und die Biodiesel-Hersteller haben das gerade in diesem Jahr gezeigt. Drittens können neue erneuerbare Energien die bisherigen verdrängen. Viertens sind vor allem Erneuerbare-Energie-Aktien in Boom-Zeiten so teuer, dass Kursrückschläge zwangsläufig kommen werden.

Für welche Investoren eignet sich der Markt?

Grundsätzlich für alle – nur sollte man nicht hundert Prozent in Erneuerbare Energien investieren und vor allem die Finanzprodukte auswählen, die mit den eigenen Anlagezielen übereinstimmen. Das müssen nicht Aktien sein, es kommen ja auch Fonds in Frage oder Anleihen.

Sollte ich mich zwischen Solarenergie und Windkraft entscheiden oder lieber immer beides im Portfolio haben?

Lieber beides und am besten noch andere Erneuerbare-Energie-Werte, etwa aus dem Bereich Wasserkraft oder Biomasse.

Wo fange ich unter der Vielzahl der „Öko“- und „Nachhaltigkeits“-Finanzanlagen überhaupt an zu suchen?

Da hilft nichts anderes als sich die Listen der Aktien, Fonds und anderer Angebote in den entsprechenden Publikationen anzusehen und dann auszuwählen. Oder sich an einen Berater zu wenden, der sich in diesem Feld qualifiziert hat.

Welche Tipps sollten die Anleger unbedingt beachten?

Am Wichtigsten ist: Nichts überstürzen, gründlich überlegen und nicht drängen lassen. Und Vorsicht vor schwarzen Schafen, die den Anlegern erklären, wichtig wäre alleine das gute Umwelt-Gewissen. Dem muss man entgegenhalten: Ehe man schlecht investiert, sollte man lieber spenden. Denn in dubiosen Quellen versickertes Geld nutzt der Umwelt rein gar nichts.

Kommentare zu " Jörg Weber: „Gut überlegen und nichts überstürzen“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%