Konjunkturindikatoren
Adrenalin für die Märkte

Ob Auftragseingänge, Einzelhandelsumsätze oder Baugenehmigungen. Die Finanzmarktakteure klammern sich an jedes erdenkliche Signal, das ihnen dabei hilft, künftige Entwicklungen auf den Märkten besser einschätzen zu können. Doch was steckt dahinter, und welche Zahlen sind wirklich entscheidend?
  • 0

FRANKFURT. Für Analysten und Händler war es der Höhepunkt des heutigen Tages. Kurz nach Mittag flimmerten weltweit die monatlichen Zahlen des US-Arbeitsministeriums über die Bloomberg-Terminals. Die Analysten starren gebannt auf eine einzige Zahl: die im Oktober neu geschaffenen Arbeitsstellen. Mit 151 000 Stellen fiel die Zahl deutlich höher aus als von Analysten erwartet.

Die Aktienmärkte reagierten zwar kaum auf die guten Zahlen. Doch das liegt vor allem daran, dass sie nach der Ankündigung neuer Milliardenhilfen der Fed am Mittwoch bereits deutlich zugelegt hatten. In einem gewöhnlichen Umfeld hätten Zahlen über 100 000 eine "Explosion an den Aktienmärkten" auslösen können, meint Johannes Müller von der Deutschen-Bank-Tochter DWS. Die Stimmung an den Rentenmärkten wäre in diesem Fall deutlich gesunken.

Die Schattenseite des Aufschwungs

Warum ist das so? Nichts treibt Märkte stärker als Erwartungen. Ob Auftragseingänge, Einzelhandelsumsätze oder Baugenehmigungen: Die Finanzmarktakteure klammern sich an jedes Signal, das ihnen dabei hilft, künftige Entwicklungen auf den Märkten besser einschätzen zu können.

So auch die Zahl der Beschäftigten. Steigt die, wächst das zukünftige Einkommen der US-Bürger. Das wiederum treibt den weltweiten Konsum und beflügelt die Konjunktur. Die Anleger hoffen auf steigende Gewinne der Unternehmen – sie kaufen Aktien.

Doch ein erwarteter Aufschwung ist nicht für alle von Vorteil, denn meist gehen bessere Zeiten mit einem Anstieg der Zinsen einher. Das belastet die Kurse von festverzinslichen Papieren. Damit sie weiterhin für Anleger attraktiv sind, verbilligen sich die Anleihen und die Renditen steigen. Anleger sollten daher erst einmal einen Blick in ihr Depot werfen, bevor sie aufgrund positiver Konjunkturkennziffern in Jubel ausbrechen.

Ohnehin sind die Kurskapriolen nach der Daten-Veröffentlichung nur von kurzer Dauer und beeinflussen die Finanzmärkte selten länger als ein, zwei Stunden. „Investoren sollten daher nicht auf Grundlage eines einzelnen Indikators Kaufentscheidungen treffen, sondern immer das Gesamtbild im Auge behalten“, rät Ralph Solveen von der Commerzbank.

Seite 1:

Adrenalin für die Märkte

Seite 2:

Kommentare zu " Konjunkturindikatoren: Adrenalin für die Märkte"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%