Lebensversicherungen
Drum prüfe, wer sich ewig bindet

Betrachtet man die Verkaufszahlen, dann sind fondsgebundene Lebensversicherungen äußerst populär. Denn bei diesen können sich die Anbieter auf elegante Art des Anlagerisikos entledigen. Experten raten jedoch dazu, diese Art der Police nur dann als Altersvorsorge einzusetzen, wenn man über eine eiserne Spardisziplin verfügt.
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DÜSSELDORF. Rolf Mahlberg (Name geändert) hat es zumindest versucht. Aber er hat sein Ziel nicht erreicht. Das lässt sich jetzt schon sagen, obwohl seine fondsgebundene Rentenversicherung noch 27 Jahre läuft. Dabei hat Mahlberg beherzigt, was seit Jahren landauf landab gepredigt wird: mit eigenem Geld zusätzlich, sicher und möglichst gewinnbringend zu sparen, um die Lücken der gesetzlichen Rente auszugleichen.

So schließt der Angestellte, verheiratet, keine Kinder, am 1. September 2002 bei einem baden-württembergischen Anbieter eine fondsgebundene Rentenversicherung ab. Eine Rente, die Rendite verspricht, so verheißt es auf jeden Fall die Werbung. Der Vertrag läuft bis 2035, also bis Mahlberg 65 ist. Der Zeitpunkt, um in eine Fondspolice zu investieren, scheint günstig. Der Deutsche Aktienindex (Dax) steht vergleichsweise niedrig, notiert bei 3 000 Punkten.

Als Mahlberg im vergangenen Sommer seine Police überprüft - da steht der Dax noch bei über 6 000 Punkten -, trifft ihn fast der Schlag. Statt eines saftigen Gewinns hat er bislang mehr als die Hälfte seiner eingezahlten Beiträge verloren. Sein Versicherungsberater, den er mittlerweile eingeschaltet hat, rechnet es ihm vor: Eingezahlt hat er bislang 5 780 Euro. Der Wert seiner Police beträgt lediglich 2 521 Euro. Vor allem die hohen Kosten, sprich die Provision, verhindern, dass das Werbeversprechen eingehalten wird - und das in einer Phase eines jahrelangen Börsenbooms.

Der Versicherungsberater kommt zu dem Urteil: "Man kann jetzt schon absehen, dass dieser Vertrag keine reale Beitragsrendite abwirft." Denn die Kostenbelastung sei so hoch, dass der Fonds, den der Versicherer ausgewählt hat, im Schnitt über fünf Prozent im Jahr zulegen müsste, um allein die Inflation auszugleichen. Und inzwischen hat der Dax, wie viele andere Aktienbörsen auch, weitere 25 Prozent nachgegeben. Die bittere Lektion: Eine neue Rentenlücke tut sich auf.

Betrachtet man die Verkaufszahlen, dann sind fondsgebundene Lebensversicherungen populär. Waren sie vor zehn Jahren noch eine Randerscheinung, so dominieren sie nun das Geschäft. Im vergangenen Jahr verkaufte die Branche schon jede dritte Police in der Fondsvariante. Dabei fließt der Sparanteil der Beiträge in einen Investmentfonds. Im Gegensatz zur klassischen Kapital-Lebens- oder Rentenversicherung garantiert der Anbieter keine Mindestverzinsung, sondern lockt mit möglichen Renditen. Verbraucherschützer monieren, dass dieses Produkt in den wenigsten Fällen zum eher konservativen Profil eines Versicherungskunden passt.

Der Verkaufsdrang der Anbieter lässt sich dagegen leicht erklären, können sie sich doch auf elegante Art des Anlagerisikos entledigen. Der Versicherungsberater Stefan Albers aus Montabaur kommt daher zu dem Schluss: "Ich würde von fondsgebunden Renten und Lebensversicherungen abraten." Er weist zudem darauf hin, dass sich die Assekuranz höchst widersprüchlich verhält: "Die Versicherer werben mittlerweile zumindest intern damit, ihre Aktienquote deutlich reduziert zu haben. Versicherer machen in ihrer eigenen Anlagestrategie damit genau das Gegenteil dessen, was sie ihren Kunden raten. Sie empfehlen ihren Kunden die Anlage in Fonds. Und Kunden sind sich kaum bewusst, dass das Anlagerisiko voll auf sie übertragen wird."

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