Martin Theisinger
„Growth-Titel sind jetzt billig“

„Jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt, um in so genannte Growth-Aktien zu investieren“, sagt Martin Theisinger, Mitglied der Geschäftsführung von Schroders Deutschland. Im Interview spricht er über den Growth-Anlagestil und die Chancen, die der europäische Markt bietet.

Handelsblatt: Welchen Stellenwert hat der Growth-Anlagestil derzeit?

Martin Theisinger: Jetzt ist meiner Meinung nach genau der richtige Zeitpunkt, um in so genannte Growth-Aktien zu investieren. Mit Blick auf Bewertungskennzahlen wie beispielsweise das Kurs-Gewinn-Verhältnis sind Growth-Aktien mittlerweile billig. In den 90er-Jahren ist dieser wachstumsorientierte Anlagestil zu Gunsten des Substanz betonenden Value-Stils zurückgefallen. Viele Investoren bevorzugten diesen Anlagestil, da die Performance so genannter Value-Produkte sehr gut war.

Wann schlägt die Stunde der Anleger, die diesen Stil bevorzugen?

Wer sich auf einzelne Unternehmen konzentriert, wird immer gute Möglichkeiten haben, für sich viel versprechende Growth-Aktien herauszufinden.

Wie können Anleger denn diese Growth-Aktien aufspüren?

Growth-Unternehmen erkennt man daran, dass sie ein in sich originäres Wachstum aufweisen, das über dem ihres Sektors liegt. Auch ihr Einkommen sollte über dem ihrer Mitbewerber liegen. Weitere Faktoren sind für uns eine starke Bilanz, ein hervorragendes Management, eine überzeugende Unternehmenskultur und eventuell hohe Markteintrittsbarrieren, die Mitbewerbern den Marktzutritt erschweren. Natürlich können auch eher zyklische Unternehmen mit mehreren Mitbewerbern, die ihnen das Leben hin und wieder schwer machen, interessant sein. Da muss man dann aber genau hinsehen.

Welche Charaktereigenschaften braucht man, um ein guter Growth-Investor zu sein?

Anleger sollten auf jeden Fall kritisch sein und nicht auf schöne Unternehmensgeschichten hereinfallen. Es gilt, die Fakten sehr genau zu prüfen, um dann entscheiden zu können, ob es sich bei einem Investment um einen Wachstumswert mit der realistischen Aussicht auf gute Gewinne in der Zukunft handelt – oder eben nicht. Zudem müssen sich Investoren darüber im Klaren sein, wie viel sie maximal bereit sind, für eine Aktie zu bezahlen. Denn natürlich besteht immer die Gefahr, zu viel auf den Tisch zu legen. Besonders dann, wenn andere schon früher auf den Wert aufmerksam geworden sind; dann ist bereits einiges an Gewinnerwartungen in den Kurs eingepreist.

Welche Growth-Aktien gefallen Ihnen derzeit besonders gut?

Europa sehen wir als guten Markt mit soliden Firmen, die auch dann weiter wachsen werden, wenn sich das Weltwirtschaftswachstum verlangsamen sollte. In Frankreich gefällt uns beispielsweise nach dem Merger mit Gaz de France eine Suez, die auch stark im Wassergeschäft und bei der Abfallaufbereitung ist. In der Schweiz dürfte Nestlé davon profitieren, dass Verbraucher sich zunehmend für eine gesunde Ernährung interessieren. Hier zu Lande favorisieren wir Siemens. Besonders die Geschäfte der Medizindivision und beim Transport, aber auch die Aktivitäten des Unternehmens im Bereich Elektrizität und Automatisierungstechnik sehen langfristig sehr gut aus.

Quelle: Heike Herbertz
Petra Hoffknecht
Handelsblatt / Redakteurin
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