Michael Lewis
„Die Produktion wird gerade ausreichen“

„Mit steigendem Wohlstand steigt der Verbrauch an Rohstoffen“, sagt Michael Lewis. Schon heute sei China ein großer Nettoimporteur von Kupfer und Nickel. Der Chef des Rohstoff-Researchs der Deutschen Bank spricht im Interview über die starke Nachfrage nach Metallen, deren Auswirkung auf die Preisentwicklung und Diversifizierungsstrategien.
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Handelsblatt:

Die „Peak Oil“ Lobby sorgt sich über das Auslaufen der Ölreserven. Bei Metallen scheinen solche Sorgen nicht zu bestehen?

Michael Lewis: Das hängt vielleicht auch damit zusammen, dass die Metalle zumindest zum Teil recycelt werden, was mit verbranntem Öl freilich nicht möglich ist. Doch auch bei Metallen beginnen sich langfristige Verknappungsängste in den Preiskurven an den Terminmärkten niederzuschlagen. Die langfristigen Preise sind hier, wie beim Öl, deutlich gestiegen. Und das selbst dann noch, wenn am vorderen Ende des Marktes die Preise mal kurz fallen, wie im August und jetzt wieder.

Was steht hinter dieser fundamentalen längerfristigen Höherbewertung der Metalle?

Sie spiegelt die knappen Vorräte im Verhältnis zum Verbrauch wider. Und glaubt man der Preiskurve wird sich an der Situation bis 2010/11 wenig ändern. Den Grund dafür kann man auf einen einfachen Nenner bringen: Mit steigendem Wohlstand steigt der Verbrauch an Rohstoffen. China und Indien sind heute genau dort, wo Taiwan und Korea vor 20 Jahren waren.

Schon gibt es häufiger Verknappungen an Konzentraten.

... ja, und der Markt macht sich immer wieder aufs Neue vor, dass diese nur vorübergehender Natur seien. Dagegen zeigen unsere Studien ganz eindeutig, dass die Produktion bei den meisten Metallen noch auf längere Sicht gerade ausreichen wird, den Bedarf zu decken. China tritt schon jetzt als großer Nettoimporteur von Kupfer und Nickel am Weltmarkt auf. Dazu könnte 2008 noch Aluminium kommen.

Die aktuellen Preise für Industriemetalle sind bereits relativ hoch. Droht im Fall einer US-Rezession eine kräftige Korrektur?

Von der Nachfrageseite nicht so sehr. Die Korrelation zwischen dem Wirtschaftswachstum der USA und dem Chinas und Indiens ist kaum kritisch. Selbst bei einem Einbruch des US-Wachstums von vorübergehend 2,5 auf 0,5 Prozent im Jahr wird die Wirtschaft Chinas wahrscheinlich noch ein Wachstum von zehn Prozent bewerkstelligen. Das Hauptrisiko droht den Metallpreisen vielmehr von den Entwicklungen an den Börsen. Einem Kurseinbruch dort, verursacht durch eine Verschärfung der Kreditkrise und einem beschleunigten Dollarkursverfall, können sich auch die Metallpreise nicht entziehen. Wie das bereits im August der Fall war und auch jetzt wieder zu beobachten ist. Und die Metalle waren unter den Rohstoffen ganz besonders von der Aktienmisere betroffen. Die Korrelation von deren Preisen mit den Börsenkursen hat über die letzten fünf Jahre noch weiter zugenommen. Gegenüber dem S&P- 500-Index ist sie besonders ausgeprägt. Diese Wechselwirkung ist verständlich: beide Anlagevehikel reagieren sensibel auf Veränderungen des Weltwirtschaftsklimas. Unser Augenmerk gilt im Moment ganz besonders Kupfer. Das reagiert in der Anfangsphase von US-Rezessionen besonders empfindlich.

Zeigt das nicht, dass die Metalle sich kaum als eine Diversifizierung zu Aktien eignen?

Unter dem Gesichtspunkt der unmittelbaren Korrelation zu diesen könnte man diesen Eindruck gewinnen. Das negiert freilich nicht die langfristigen Renditechancen in diesem Bereich gegenüber anderen Anlageformen. Wenn nicht an den Terminmärkten oder über Fonds können die Anleger diese zum Beispiel über den Erwerb von Bergbauaktien nutzen. Diese erscheinen uns im Moment unterbewertet. Andererseits halten wir unter reinen Diversifizierungsgesichtspunkten eine Anlage in Edelmetallen oder Agrargütern gegenwärtig für lohnender.

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