Nachgefragt
„Anhaltend hohe Nachfrage aus China“

Sechs Fragen zum Thema Agroaktien und Rohstoffe an Klaus Martini, Anlagegeschäft Privatkunden der Deutschen Bank.

Obwohl in Südamerikas Landwirtschaft zahlreiche Konzerne inzwischen Weltmarktführer sind, gibt es kaum Aktien. Woran liegt das?

Für Agrarunternehmen war es vor allem wegen der Größenordnung kaum erforderlich, den Kapitalmarkt in Anspruch zu nehmen. Lediglich exportorientierte Unternehmen hatten einen größeren Finanzierungsbedarf und nutzten diese Möglichkeit. Darüber hinaus war es in der Vergangenheit vergleichsweise schwierig, Aktien zu platzieren. Inländische Privatanleger verfügten kaum über Kapital, und ausländische Investoren hielten sich auf Grund schwieriger politischer Rahmenbedingungen sowie Inflations- und Wechselkursrisiken mit Investitionen zurück.

Gilt das auch für andere Emerging Markets oder ist das branchentypisch?

Das Phänomen ist nicht branchenspezifisch. Asien stellt eher die Ausnahme dar, da die dortige Aktienkultur auf Grund günstigerer Voraussetzungen inzwischen weiter entwickelt ist.

Wird sich das mittelfristig ändern?

Die Situation in den Emerging Markets wird sich verbessern, je mehr sich die wirtschaftliche und politische Stabilität in diesen Ländern verbessert. Wenn ein Mittelstand entsteht, die Staatsfinanzen gesunden, die Inflation begrenzt wird und die politischen Verhältnisse stabil bleiben, werden liquide Kapitalmärkte entstehen.

Werden ausländische Investoren, vor allem Unternehmen und Private-Equity-Fonds die Konsolidierung der Branche beschleunigen?

Ausländische Investoren werden sich zunehmend einkaufen, um sich damit Zugang zu den Ressourcen und den Märkten in diesen Ländern zu sichern.

Welche Risiken und Potenziale sehen Sie derzeit für Agroaktien aus Südamerika?

Die Aussichten für Agroaktien sind insbesondere in Brasilien und Mexiko gut, sofern sich hier keine politischen Zuspitzungen ergeben und der eingeschlagene wirtschaftspolitische Weg fortgeführt wird. Außerdem spricht die anhaltend hohe Nachfrage aus Indien und China für gute Chancen in diesem Segment.

Wer soll als Anleger eher in Rohstoffzertifikate oder einen Fonds investieren, wem raten Sie eher zu Aktien?

Der Privatanleger, der eher riskantere Investments meidet, sollte in Fonds und Rohstoffzertifikate investieren. Wer in Aktien investiert, nimmt auch bei Agrarrohstoffen automatisch höheres Risiko in Kauf. Eventuell kann das Anlagethema auch „indirekt“ investiert werden durch Aktien von westlichen Unternehmen, die in diesen Ländern tätig sind.

Die Fragen stellte Alexander Busch.

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